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Prolongierte Infusion von β-Lactam-Antibiotika bei schwer kranken Erwachsenen – Update der internationalen Konsensusempfehlungen

Ein fokussiertes Update der internationalen Konsensusempfehlungen zur Anwendung prolongierter β-Lactam-Infusionen bestätigt und stärkt die bisherige Empfehlung zugunsten einer prolongierten Infusion (PI) gegenüber einer Kurzinfusion (SI) bei schwer kranken erwachsenen Patienten.

Hintergrund sind mehrere neue randomisierte kontrollierte Studien (RCT), darunter die großen Studien BLING III (n = 7202) und MERCY (n = 607). Als PI wurden eine kontinuierliche (CI) oder extendierte Infusion (EI) über mindestens 3 Stunden definiert, als SI eine Infusion bis zu 60 min.


Die Meta-Analyse von 28 RCT ergab eine signifikant niedrigere Sterblichkeit unter PI (relatives Risiko [RR] 0,91; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,85 bis 0,97), gestützt durch eine bayesianische Analyse mit einer posterioren Wahrscheinlichkeit eines Nutzens von 98,76 %. In 21 RCTs war PI zudem mit einer höheren klinischen Heilungsrate assoziiert (RR 1,11; 95-%-KI 1,06 bis 1,17), ebenso die mikrobiologische Heilung in 8 RCTs (RR 1,17; 95-%-KI 1,06 bis 1,30). Eine absolute Mortalitätsreduktion von 2 % entspricht einer Number-needed-to-treat von 50. Untersuchte Substanzen umfassten u.a. Piperacillin-Tazobactam, Meropenem, Cefepim und Ceftazidim. Subgruppenanalysen stützen zudem die Gabe einer Loading Dose vor Beginn einer kontinuierlichen Infusion.


Folgerung der Autoren

 

Bei schwer kranken erwachsenen Patienten, insbesondere mit Gram-negativen Infektionen, wird eine PI von β-Lactam-Antibiotika gegenüber einer SI empfohlen – zur Senkung der Sterblichkeit (moderate Evidenzqualität) und zur Verbesserung der klinischen Heilung (niedrige Evidenzqualität). Beim Start einer CI wird die Gabe einer Loading Dose vorgeschlagen.


Kommentar der Herausgeber


Dies ist eine wichtige Stärkung der bisherigen lediglich bedingten Empfehlung aus dem Jahr 2023 basierend auf dem damals nur sehr niedrigen Evidenzgrad. Nun wird aufgrund neuer Daten und einer aktualisierten Meta-Analyse eine prolongierte Infusion bei schwer kranken Patienten empfohlen mit einem auf moderat für Sterblichkeit und immerhin auf niedrig für klinische Heilung angehobenen Evidenzgrad.

 

Hong, L. T. et al. Focused Update to International Consensus Recommendations for the Use of Prolonged-Infusion Beta-Lactam Antibiotics Among Severely Ill Adult Patients: Endorsed by the American College of Clinical Pharmacy, British Society for Antimicrobial Chemotherapy, Cystic Fibrosis Foundation, European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, Infectious Diseases Society of America, Society of Critical Care Medicine, and Society of Infectious Diseases Pharmacists. Pharmacotherapy. 2026; 46(9):e70188. doi: 10.1002/phar.70188

 

21.10.2026

Neue IDSA/ESCMID-Leitlinie 2026 zur Staphylococcus-aureus-Bakteriämie

Die bisherige Einteilung der S.-aureus-Bakteriämie (SAB) in „kompliziert“ und „unkompliziert“ gilt als unpräzise, mit dem Risiko, okkulte Streuherde zu übersehen und Patienten unzureichend zu behandeln. Die neue gemeinsame Leitlinie von IDSA und ESCMID, abgestimmt mit weiteren Fachgesellschaften, führt daher ein risikostratifiziertes Konzept mit „low-risk“ und „increased-risk“ SAB ein und bündelt sieben Konsensstatements zu Diagnostik, Follow-up-Blutkulturen, Bildgebung und Therapiedauer. Welche Therapiedauer empfohlen wird und welche drei Kernkriterien die Risikogruppe bestimmen, zeigt der Beitrag.

 

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21.10.2026

Herpes-Zoster-Impfung könnte Demenzrisiko senken: Natürliches Experiment in Wales

Neurotrope Herpesviren werden zunehmend mit der Pathogenese von Demenzerkrankungen in Verbindung gebracht. Könnte eine Lebendimpfung gegen Herpes Zoster das Demenzrisiko senken? Ein natürliches Experiment in Wales mit 282.541 Erwachsenen und stichtagsbasierter Impfanspruchsberechtigung ermöglichte quasi-randomisierte Vergleiche. Über 7 Jahre reduzierte die tatsächliche Impfung neue Demenzdiagnosen relativ um 20,0 %. Welche Rolle VZV-Reaktivierungen spielen und inwieweit sich die Ergebnisse auf den heute verwendeten Totimpfstoff Shingrix übertragen lassen, diskutiert der Beitrag.

 

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21.10.2026

Penicillin-Allergie-Delabeling durch Nicht-Allergologen: Pro und Contra einer kontroversen Praxis

Bis zu 25 % der Patienten tragen ein Penicillin-Allergie-Label, mit Folgen wie häufigeren Clostridioides-difficile-Infektionen und erhöhter Sterblichkeit. Zwei Meta-Analysen mit über 30.000 Patienten belegen jedoch: In weniger als 5 % der Fälle liegt eine echte Allergie vor. Die PALACE-Studie zeigte zudem die Nicht-Unterlegenheit der direkten oralen Provokation gegenüber der Hauttestung. Für welche Patienten das Delabeling durch Nicht-Allergologen sicher möglich ist und wann es weiterhin in fachallergologische Hand gehört, ordnet der Beitrag ein.

 

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21.10.2026

Mehrdeutige Sprache in infektiologischen Konsilempfehlungen senkt die Adhärenz

Konsile durch infektiologische Fachdisziplinen (Infectious Diseases, ID) verbessern nachweislich das Patienten-Outcome – vorausgesetzt, die abgegebenen Empfehlungen werden vom behandelnden Team auch umgesetzt. Neben Faktoren wie Anzahl der Empfehlungen oder Lesbarkeit der Konsilnotiz stellt die sprachliche Formulierung einen modifizierbaren Einflussfaktor dar. Eine retrospektive Kohortenstudie aus einem tertiären australischen Klinikverbund (Monash Health, 2500 Betten, vier Standorte) untersuchte nun erstmals systematisch, wie häufig mehrdeutige Sprache in ID-Konsilempfehlungen auftritt und wie sich diese auf die Adhärenz auswirkt.


Eingeschlossen wurden 250 aufeinanderfolgende ID-Konsile bei erwachsenen Patienten, die zwischen Juli und Dezember 2024 stattfanden. Als nicht-mehrdeutig galten Empfehlungen mit klaren Formulierungen wie „should“, „must“, „recommend“ oder „suggest“, als mehrdeutig hingegen Ausdrücke wie „consider“, „could“ oder „not unreasonable to“. Die Adhärenz wurde für therapeutische Empfehlungen innerhalb von 24 Stunden und für diagnostische innerhalb von 72 Stunden geprüft.


Insgesamt wurden 1087 Empfehlungen dokumentiert, von denen 106 (9,8 %) mehrdeutige Sprache enthielten. Der mit Abstand am häufigsten verwendete mehrdeutige Ausdruck war „consider“ (n = 51), gefolgt von „can“ (n = 12) und „likely“ (n = 7). Für 977 Empfehlungen war die Adhärenz beurteilbar: Insgesamt wurden 78,1 % vollständig, 7,0 % teilweise und 14,9 % nicht befolgt.

Der Unterschied zwischen den Sprachtypen war deutlich: Die Gesamtadhärenz zu nicht-mehrdeutigen Empfehlungen lag bei 87,2 %, zu mehrdeutigen Empfehlungen jedoch nur bei 59,5 % (p < 0,001). Therapeutische Empfehlungen wurden häufiger umgesetzt als diagnostische (OR 1,89; 95-%-KI 1,15 bis 3,10; p = 0,01), Konsile unter Leitung eines jüngeren Consultants seltener (OR 0,48; 95-%-KI 0,23 bis 0,96; p = 0,04). Mehrdeutige Formulierungen traten zudem häufiger bei nicht sofort umsetzbaren Empfehlungen auf (29,4 % vs. 7,3 %; p < 0,001).


Kommentar der Herausgeber


Eine klare Sprache mit eindeutigen Botschaften in infektiologischen Konsilien stellt eine einfach umzusetzende Anpassung mit großer Wirkung dar. Dies gilt im Übrigen nicht nur für Konsilien.

 

Browne, M. J. et al. Reconsidering Ambiguous Language in Infectious Disease Consult Recommendations. Clin Infect Dis. 2026; published online first Jul 3, 2026. doi: 10.1093/cid/ciag400

 

23.09.2026

ESCMID-Leitlinie zur Bewertung und zum Management einer dokumentierten Antibiotikaallergie

Nur 5–10 % der dokumentierten Antibiotikaallergien entsprechen einer echten immunvermittelten Überempfindlichkeit – dennoch führen sie zum vermehrten Einsatz von Breitspektrumsubstanzen, zu Clostridioides difficile- und MRSA-Infektionen sowie zu steigenden Kosten. Die neue ESCMID-Leitlinie liefert 24 evidenzbasierte Empfehlungen zur strukturierten Risikostratifizierung, zum Delabeling und zum kontrollierten Provokationstest – auch für Nicht-Allergologen/-Allergologinnen im Krankenhaussetting.

 

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23.09.2026

CAPVAXIVE – neuer 21-valenter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff

Seit März 2025 ist mit CAPVAXIVE (PCV21) ein Pneumokokken-Konjugatimpfstoff zugelassen, der 8 bisher nicht erfasste Serotypen enthält und in Deutschland 82,7 % der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Erwachsenen ≥ 60 Jahren abdeckt. In den Phase-III-Studien STRIDE-3 und STRIDE-10 zeigte PCV21 gegenüber PCV20 bzw. PPSV23 eine nicht unterlegene Immunantwort bei gemeinsamen Serotypen und eine Überlegenheit bei nahezu allen einzigartigen Serotypen. Wie sich dies in aktuellen Impfempfehlungen im deutschsprachigen Raum niederschlägt, zeigt der Beitrag.

 

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23.09.2026

Oseltamivir-Therapie bei Influenza und neuropsychiatrische Ereignisse bei Kindern und Jugendlichen

Seit 2006 warnt die FDA vor neuropsychiatrischen Ereignissen unter Oseltamivir bei Kindern – basierend auf Fallberichten, nicht auf systematischen Analysen. Eine populationsbasierte Kohortenstudie mit 692.295 Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren über vier Influenzasaisons zeigt nun: Während behandelter Influenzaepisoden war die Rate schwerwiegender neuropsychiatrischer Ereignisse gegenüber unbehandelter Influenza etwa halbiert. Welche Ereignisse konkret reduziert waren und wie robust die Ergebnisse sind, zeigen die Subanalysen.

 

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23.09.2026

Neuer Antikörper zur RSV-Prophylaxe bei Säuglingen

Infektionen mit den Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) sind in Deutschland die häufigste Ursache von Krankenhauseinweisungen von Säuglingen [1]. Um RSV-bedingte Hospitalisierungen, intensivmedizinische Behandlungen sowie RSV-bedingte Todesfälle zu verhindern, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) seit Ende Juni 2024 allen Neugeborenen und Säuglingen eine RSV-Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab (Beyfortus) als Einmaldosis vor bzw. in ihrer 1. RSV-Saison [1].

 

Mit der Markteinführung von Clesrovimab (ENFLONSIA) steht ab sofort in Deutschland ein weiterer langwirksamer Antikörper für diese Indikation zur Verfügung.

 

Clesrovimab ist ein vollständig humaner, neutralisierender monoklonaler IgG1κ-Antikörper, der gegen das RSV-Fusionsprotein F gerichtet ist [2]. Die Bindung von Clesrovimab an das Fusionsprotein blockiert den entscheidenden Membranfusionsschritt und verhindert das Eindringen des Virus in die Zellen. Durch eine Modifizierung der Aminosäuresequenz in der FC-Region des Antikörpers ist die Bindung an den neonatalen FC-Rezeptor erhöht und damit die Serumhalbwertszeit auf etwa 44 Tage verlängert [2].

 

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-IIb/III-Studie erhielten 3614 gesunde Säuglinge, darunter auch früh- und mittelfrühgeborene, entweder eine intramuskuläre Einzeldosis von 105 mg Clesrovimab (n = 2412) oder Placebo (n = 1202) [2,3]. Die Inzidenz RSV-assoziierter Infektionen der unteren Atemwege, die innerhalb von 150 Tagen nach der Injektion eine ärztliche Behandlung erforderlich machten, betrug 2,6 % unter Clesrovimab gegenüber 6,5 % unter Placebo, entsprechend einer Wirksamkeit der Prophylaxe von 60,4 % (95 %-Konfidenzintervall (KI) 44,1-71,9 %; p < 0,001). Auch RSV-assoziierte Hospitalisierungen konnten nach der Applikation von Clesrovimab innerhalb des Beobachtungszeitraums signifikant reduziert werden (Wirksamkeit 84,2 %; 95 %-KI 66,6-92,6 %; p < 0,001). Schwere medizinisch betreute RSV-Infektionen traten unter Clesrovimab seltener auf. Die Sicherheitsprofile waren vergleichbar, wobei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 11,5 % der mit Clesrovimab behandelten Säuglinge gegenüber 12,4 % in der Placebogruppe berichtet wurden.

In einer weiteren Phase-III-Studie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit einer Einzeldosis Clesrovimab (n = 450) im Vergleich zur monatlichen Applikation von Palivizumab (n = 451) bei Säuglingen und Kindern mit erhöhtem Risiko für schwere RSV-Erkrankungen untersucht [4]. Die Wirksamkeit von Clesrovimab wurde durch Extrapolation der Daten von Clesrovimab aus der Studie an gesunden Säuglingen auf der Grundlage pharmakokinetischer Exposition ermittelt [2,4]. Es ergab sich innerhalb von 150 Tagen nach Applikation eine ähnliche Inzidenzrate RSV-assoziierter, medizinisch betreuter Infektionen der unteren Atemwege (3,6 % bzw. 3,0 %) und RSV-assoziierter Hospitalisierungen (1,3 % bzw. 1,5 %) unter Clesrovimab und Palivizumab bei vergleichbarem Sicherheitsprofil.

 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schmerzen, Erytheme und Schwellungen an der Injektionsstelle sowie Hautausschlag.

 

Clesrovimab ist der dritte zugelassene monoklonale Antikörper zur RSV-Prophylaxe in Europa und der erste, der unabhängig vom Gewicht des Säuglings als einmalige Fixdosis verabreicht wird. Clesrovimab bindet an der hochkonservierten Stelle IV des RSV-Fusionsproteins, was sich von den RSV-Antikörpern Palivizumab (Stelle II) und Nirsevimab (Stelle Ø) unterscheidet. Aufgrund der verlängerten Halbwertszeit bietet eine Dosis Clesrovimab, ähnlich wie Nirsevimab, bis zu fünf Monate lang passive Immunität, was die Dauer einer üblichen RSV-Saison in Europa abdeckt. Die STIKO arbeitet derzeit noch an einem systematischen Review zu Wirksamkeit und Sicherheit von Clesrovimab für die RSV-Prophylaxe im Säuglingsalter.

 

1 Koch, J. et al. Beschluss und wissenschaftliche Begründung zur Empfehlung der STIKO zur spezifischen Prophylaxe von RSV-Erkrankungen mit Nirsevimab bei Neugeborenen und Säuglingen in ihrer 1. RSV-Saison. Epid Bull. 2024; 26:3-29. doi: 10.25646/12198


2 Fachinformation ENFLONSIA (Clesrovimab). MSD Sharp & Dohme GmbH. Stand 06/2026. URL: https://www.fachinfo.de/fi/detail/025531


3 Zar, H.J. et al. Clesrovimab for Prevention of RSV Disease in Healthy Infants. N Engl J Med. 2025; 393(13):1292-1303. doi: 10.1056/NEJMoa2502984


4 Zar, H.J. et al. Clesrovimab in Infants and Children at Increased Risk for Severe RSV Disease. N Engl J Med. 2025; 393(13):1343-1345. doi: 10.1056/NEJMc2506107 

 

12.08.2026

Klinische Charakteristika von Patienten mit Bundibugyo-Virus-Infektion während des Ausbruchs 2026 in der DRC

Das Bundibugyo-Virus (BDBV), eine Spezies der Gattung Orthoebolavirus, verursacht die Bundibugyo-Virus-Erkrankung (BVD), deren klinisches Bild bislang weniger ausführlich beschrieben ist als jenes anderer häufiger vorkommender Filoviren. Im Rahmen des aktuellen BVD-Ausbruchs 2026 in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) wurden nun Zeichen, Symptome und grundlegende Labordaten der betroffenen Patienten erfasst und ausgewertet.

 

Zwischen dem 3. Mai und dem 8. Juni 2026 wurden 2351 gemeldete Fälle in der fallbezogenen Datenbank erfasst. Bei 505 Patienten (21,5 %) lag ein laborbestätigter BVD-Fall vor, nachgewiesen mittels der Polymerase-Kettenreaktions-Assays (PCR) von Altona Diagnostics und RADIONE. Bei 635 Patienten (27,0 %) mit BVD-Verdacht fiel der Test negativ aus. Zum Stichtag waren 95 der 505 Patienten mit bestätigter BVD (18,8 %) verstorben, verglichen mit 65 der 635 negativ getesteten Patienten (10,2 %); aufgrund limitierter Outcome-Daten und unbekannter Nenner kann dies jedoch nicht als Letalitätsrate interpretiert werden. Seit der Ausrufung des Ausbruchs am 15. Mai 2026 stieg die Zahl positiver Fälle an, während die Testpositivität von rund 70–80 % Anfang Mai auf etwa 40 % Anfang Juni sank. In beiden Gruppen war die Mehrheit erwachsen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren, mit leichtem Überhang weiblicher Patienten.

 

Für 405 Patienten mit bestätigter BVD und 516 negativ getestete Patienten wurden Zeichen und Symptome bei Erstvorstellung dokumentiert. Bestätigte Fälle präsentierten sich häufig mit Fieber (74,3 %) sowie gastrointestinalen Beschwerden wie Diarrhoe (67,4 %), Erbrechen (66,7 %), Anorexie (39,5 %) und abdominellen Schmerzen (37,3 %). Kopfschmerzen (42,2 %), Atembeschwerden (34,1 %), Schluckbeschwerden (32,8 %) sowie muskuloskelettale Schmerzen (Arthralgie 22,7 %; Myalgie 23,5 %) waren ebenfalls häufig. Hämorrhagische Zeichen traten bei Erstvorstellung selten auf (10,4 %). Innerhalb der bestätigten Fälle variierte das Symptomprofil nach gegenseitiger Adjustierung nur geringfügig nach Geschlecht oder Alter: Fieber trat bei männlichen Patienten etwas seltener auf als bei weiblichen Patientinnen (adjustiertes Risikoverhältnis 0,88; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,78 bis 1,00), und Kopfschmerzen wurden mit zunehmendem Alter seltener (adjustiertes Risikoverhältnis 0,89 pro Dekade; 95-%-KI 0,83 bis 0,96). Husten war bei männlichen Patienten etwas häufiger (adjustiertes Risikoverhältnis 1,89; 95-%-KI 1,01 bis 3,53), ebenso wie Thoraxschmerz (adjustiertes Risikoverhältnis 1,94; 95-%-KI 1,01 bis 3,71).

 

Bestätigte Fälle berichteten zudem deutlich häufiger gastrointestinale und systemische Symptome als negativ getestete Patienten, etwa Erbrechen (66,7 % vs. 50,8 %), Diarrhoe (67,4 % vs. 49,6 %), Anorexie (39,5 % vs. 17,2 %), abdominelle Schmerzen (37,3 % vs. 16,3 %), Atembeschwerden (34,1 % vs. 10,9 %) und Schluckbeschwerden (32,8 % vs. 10,7 %). Auch Fieber trat bei bestätigten Fällen häufiger auf (74,3 % vs. 64,9 %). Das relative Risiko hämorrhagischer Zeichen unterschied sich hingegen nicht wesentlich zwischen den Gruppen (10,4 % vs. 10,3 %).

 

Folgerung der Autoren


Die dokumentierten Zeichen und Symptome bei Erstvorstellung stimmen weitgehend mit früheren Beschreibungen einer Infektion mit dem Bundibugyo-Virus und anderen Filovirus-Spezies überein. Die mittlere Verzögerung von 7,4 Tagen zwischen Symptombeginn und Probenentnahme kann eine unzureichende diagnostische Kapazität in der frühen Phase des Ausbruchs widerspiegeln. Sofern diese Verzögerung zumindest teilweise auf ein spätes Aufsuchen einer Gesundheitseinrichtung nach Symptombeginn zurückzuführen ist, besteht ein dringender Bedarf an stärkerer Aufklärung zur frühzeitigen Vorstellung, um das Überleben zu verbessern und die Virusausscheidung in den Gemeinschaften zu begrenzen.


Kommentar der Herausgeber


Klinisch können die verschiedenen Ebolavirus Spezies kaum unterschieden werden. Wichtig ist, dass nicht primär hämorrhagische Symptome vorherrschen, sondern vor allem gastrointestinale Symptome. Daran sollte bei entsprechender Expositionsanamnese gedacht werden. 

 

Akilimali, P. et al. Clinical Characteristics of Patients Infected with Bundibugyo Virus, DRC 2026. N Engl J Med. 2026; 395(6):610-612. doi: 10.1056/NEJMc2608070

 

12.08.2026

INFEKTIO_Podcast | Das gnadenlose Virus – Ebola

Der Podcast consilium infectiorum bietet medizinischem Fachpersonal praxisrelevante Themen der klinischen Infektiologie und unterstützt dabei, evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Patienten auszuwählen.
In jeder Folge diskutiert Infektiologe Prof. Mathias Pletz aus Jena mit einem Expertengast einen klinischen Schwerpunkt – fundiert und dennoch in entspannter Gesprächsatmosphäre.

 

Besonders praktisch: Für jede Folge können Sie bis zu einem Jahr nach Veröffentlichung CME-Punkte sammeln, indem Sie die zugehörigen CME-Fragen beantworten.


In der aktuelle Folge ist Prof. Marylyn Addo aus Hamburg zu Gast. Gemeinsam widmen sie sich dem Ebola-Virus.

 

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12.08.2026

Cefazolin vs. Antistaphylokokken-Penicilline bei Methicillin-sensibler Staphylococcus aureus-Bakteriämie

Die Bakteriämie durch Staphylococcus aureus zählt weltweit zu den führenden bakteriell bedingten Todesursachen; mehr als jeder vierte Betroffene verstirbt innerhalb von 90 Tagen. Die Wahl des optimalen Antibiotikums bei Methicillin-sensibler S. aureus (MSSA)-Bakteriämie bleibt umstritten. Endokarditis-Leitlinien favorisieren traditionell die Antistaphylokokken-Penicilline (Nafcillin, Oxacillin, Cloxacillin oder Flucloxacillin) gegenüber Cefazolin – vor allem aufgrund des sogenannten Cefazolin-Inokulumeffekts, einer In-vitro-Zerstörung von Cefazolin durch β-Lactamasen bei hoher Erregerlast. Meta-Analysen von Beobachtungsstudien deuten hingegen auf eine mögliche Überlegenheit von Cefazolin hinsichtlich der 30-Tage-Sterblichkeit hin (Odds Ratio 0,73; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,62 bis 0,85).


Im Rahmen der internationalen Bayesianischen adaptiven Plattformstudie „Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform“ (SNAP) wurde zwischen dem 17. Februar 2022 und dem 7. August 2024 an 91 Zentren in acht Ländern ein offener, randomisierter Vergleich von Cefazolin mit Flucloxacillin oder Cloxacillin bei erwachsenen Patienten mit Penicillin-resistenter MSSA-Bakteriämie durchgeführt. Empfohlen wurden 2 g Cefazolin i.v. alle 8 Stunden (bzw. alle 6 Stunden bei schwerer Erkrankung oder Endokarditis), 2 g Flucloxacillin i.v. alle 6 Stunden (bzw. alle 4 Stunden) oder 2 g Cloxacillin i.v. alle 4 Stunden. Primärer Endpunkt war die Gesamtsterblichkeit innerhalb von 90 Tagen; die Nichtunterlegenheitsgrenze wurde als adjustierte Odds Ratio von < 1,2 definiert (entsprechend einem absoluten Mortalitätsunterschied von < 2,5 Prozentpunkten bei 15 % Sterblichkeit in der Vergleichsgruppe).


Von 1.341 randomisierten Patienten (671 Cefazolin, 670 Antistaphylokokken-Penicillin; medianes Alter 66 Jahre [Interquartilsbereich 53 bis 76]; 31,4 % Frauen) gingen 1.287 in die Analyse des primären Endpunkts ein. Häufigster Infektionsherd war eine osteoartikuläre Infektion (32,1 %). Hinsichtlich des primären Endpunkts erfüllte Cefazolin das Kriterium der Nichtunterlegenheit gegenüber Flucloxacillin oder Cloxacillin mit einer posterioren Wahrscheinlichkeit von 99,2 %; die Wahrscheinlichkeit einer Überlegenheit lag bei 89,8 %. Auch die Sterblichkeit an den Tagen 14, 28 und 42 sowie das Auftreten einer akuten Nierenschädigung, definiert als absoluter Kreatininanstieg um mindestens 26,5 µmol/l (0,3 mg/dl) innerhalb von 5 Tagen oder relativer Anstieg um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert innerhalb der ersten 14 Tage, fielen zugunsten von Cefazolin aus. Ebenso traten schwerwiegende, mit dem Studienmedikament assoziierte unerwünschte Reaktionen sowie Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse unter Cefazolin deutlich seltener auf (Tab. 1).


Tab. 1: Primäre und sekundäre Endpunkte im Vergleich Cefazolin vs. Flucloxacillin/Cloxacillin

Endpunkt Cefazolin Flucloxacillin/ Cloxacillin Adjustierte Odds Ratio (95-%-Kredibilitätsintervall)
Sterblichkeit bis Tag 90 (primärer Endpunkt) 97/645 (15,0 %) 109/642 (17,0 %) 0,81 (0,59 bis 1,12)
Sterblichkeit bis Tag 14 3,7 % 5,6 % 0,67 (0,39 bis 1,11)
Sterblichkeit bis Tag 28 7,1 % 10,5 % 0,61 (0,41 bis 0,91)
Sterblichkeit bis Tag 42 9,5 % 13,0 % 0,66 (0,46 bis 0,94)
Akute Nierenschädigung innerhalb 14 Tage 92/660 (13,9 %) 127/648 (19,6 %) 0,67 (0,50 bis 0,89)
Schwerwiegende unerwünschte Reaktionen 12/671 (1,8 %) 33/670 (4,9 %) 0,41 (0,21 bis 0,77)
Therapieabbruch wegen unerwünschter Ereignisse 11/671 (1,6 %) 61/670 (9,1 %) 0,21 (0,11 bis 0,38)

Folgerung der Autoren

Bei Erwachsenen mit Methicillin-sensibler S. aureus-Bakteriämie war Cefazolin gegenüber Flucloxacillin oder Cloxacillin hinsichtlich der 90-Tage-Gesamtsterblichkeit nicht unterlegen und mit einer geringeren Inzidenz akuter Nierenschädigungen sowie weniger schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen assoziiert. Bedenken hinsichtlich der klinischen Relevanz des Cefazolin-Inokulumeffekts sollten durch die enge Nichtunterlegenheitsgrenze sowie das mit der Gesamtpopulation vergleichbare Therapieergebnis bei Patienten mit Endokarditis wesentlich relativiert werden.


Kommentar der Herausgeber

Diese wichtige und lang ersehnte Studie legt einen Paradigmenwechsel in der Therapie der S. aureus-Bakteriämie nahe, was sich in künftigen Leitlinien widerspiegeln dürfte. Nicht nur finden sich weniger unerwünschte Nebenwirkungen mit Cefazolin, sondern auch eine niedrigere Gesamtmortalität. In aller Regel ist nun eine Therapie mit Cefazolin vorzuziehen.

 

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus Bacteremia. N Engl J Med. 2026; 394(23):2329-2339. doi: 10.1056/NEJMoa2506905

 

15.07.2026

Ebola-Ausbruch durch Bundibugyo-Virus in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda weitet sich aus

Der seit Mai 2026 anhaltende Ausbruch der Bundibugyo-Virus-Erkrankung (BVD) in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Uganda breitet sich weiter aus. Nach Angaben der WHO wurden bis Anfang Juli 2026 insgesamt 1.481 bestätigte Fälle gemeldet, davon 1.460 aus der DRK, 20 aus Uganda sowie ein Fall aus Frankreich (mit Bezug zur DRK). Bislang sind 454 Todesfälle registriert worden, während sich 229 Patient:innen bereits erholt haben. 


Die BVD ist eine schwere Form der Ebola-Erkrankung, verursacht durch eine Spezies des Genus Orthoebolavirus, wobei Flughunde als vermutetes natürliches Reservoir gelten. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch direkten Kontakt mit Blut, Sekreten oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter Personen sowie mit kontaminierten Oberflächen. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen treten die ersten Symptome auf. Frühsymptome wie Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Halsschmerzen sind unspezifisch und erschweren die klinische Diagnose. Im weiteren Verlauf treten gastrointestinale Symptome, Organdysfunktion und in einigen Fällen hämorrhagische Manifestationen auf. Die CFR der beiden vorangegangenen BVD-Ausbrüche in Uganda (2007) und der DRK (2012) betrugen 30 % bzw. 50 %.


In der DRK betrifft der aktuelle Ausbruch 36 Gesundheitszonen der Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu mit einer rohen Fallsterblichkeitsrate von 30,9 %. Unter medizinischem Personal wurden 102 bestätigte Fälle einschließlich 25 Todesfälle gemeldet. Der Ausbruch verläuft in einem komplexen humanitären und konfliktgeprägten Umfeld mit hoher Bevölkerungsmobilität, was die Ausbruchskontrolle zusätzlich erschwert. In Uganda traten die 20 bestätigten Fälle bislang ausschließlich in den Distrikten Kampala und Wakiso auf; eine Übertragung in der Bevölkerung wurde nicht dokumentiert. In Frankreich wurde am 24. Juni 2026 ein laborbestätigter Fall bei einem Mediziner nach fünfwöchigem Einsatz in Ituri gemeldet. Der Patient wurde am Flughafen isoliert und in eine Hochsicherheits-Behandlungseinrichtung verlegt.


Da bislang keine zugelassenen Impfstoffe oder spezifischen Therapien gegen BVD existieren, stützt sich die Ausbruchskontrolle auf rasche Fallidentifikation, Isolierung, Kontaktnachverfolgung, sichere Bestattungen und intensives Community Engagement. Die WHO stuft das Risiko in der DRK als sehr hoch, in Uganda sowie in den angrenzenden Ländern als hoch ein. Für die übrige Region Afrika und global wird das Risiko als niedrig bewertet. Reise- oder Handelsbeschränkungen werden derzeit nicht empfohlen.

 

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15.07.2026

INFEKTIO_Podcast | Oberflächenprobleme – Infektiologische Aspekte in der Dermatologie

Der Podcast consilium infectiorum bietet medizinischem Fachpersonal praxisrelevante Themen der klinischen Infektiologie und unterstützt dabei, evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Patienten auszuwählen.
In jeder Folge diskutiert Infektiologe Prof. Mathias Pletz aus Jena mit einem Expertengast einen klinischen Schwerpunkt – fundiert und dennoch in entspannter Gesprächsatmosphäre.


Besonders praktisch: Für jede Folge können Sie bis zu einem Jahr nach Veröffentlichung CME-Punkte sammeln, indem Sie die zugehörigen CME-Fragen beantworten.


In der aktuelle Folge ist Prof. Mario Fabri aus Jena zu Gast. Gemeinsam widmen sie sich den infektiologischen Aspekten der Dermatologie.

 

>> Zur Podcast-Folge

 

15.07.2026

Begrenzte Budgets, viele Impfstoffe: Welche Programme im Gavi-Portfolio bringen den größten Nutzen?

Angesichts wachsender Finanzierungsengpässe in der globalen Gesundheitsversorgung und einer stetig wachsenden Zahl verfügbarer Impfstoffe gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Impfprogramme den größten gesundheitlichen Nutzen pro investierter Dosis erbringen. Die vorliegende Modellierungsstudie des Vaccine Impact Modelling Consortium hatte zum Ziel, Impf-Effekt-Verhältnisse (vaccine impact ratios) – definiert als verhinderte Todesfälle bzw. behinderungsbereinigte Lebensjahre (disability-adjusted life-years, DALYs) pro 1000 Impfungen – für 14 von Gavi, the Vaccine Alliance, unterstützte Impfprogramme in 117 Niedrig- und Mitteleinkommensländern (LMICs) zu schätzen und damit eine standardisierte Vergleichsgrundlage zu schaffen.


Berücksichtigt wurden neue Schätzungen für COVID-19, Malaria und Cholera sowie aktualisierte Schätzungen für Hepatitis B (HepB), humanes Papillomavirus (HPV), Masern, Meningitis (MenA ab 2010 mit Umstellung auf MenACWYX ab 2027), Röteln, Typhus und Gelbfieber, ergänzt durch bestehende Schätzungen für Japanische Enzephalitis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Rotaviren (Rota) und Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV). Die Modellierungsgruppen verwendeten standardisierte demografische Inputs und harmonisierte Impfquoten-Annahmen einschließlich eines kontrafaktischen Szenarios ohne Impfung. Pro Erkrankung wurden in der Regel mindestens zwei Modelle einbezogen, um strukturelle, parameter- und stochastische Unsicherheit abzubilden. Der Zeithorizont reichte von 2000 bis 2030, für Cholera bis 2040; die Krankheitslast wurde bis 2100 modelliert, um die Lebensspanne der geimpften Kohorten zu berücksichtigen.


In der Gesamtbetrachtung über alle Impfaktivitäten und Subregionen hinweg wiesen HPV und Masern die höchsten Impf-Effekt-Verhältnisse hinsichtlich verhinderter Todesfälle und DALYs auf. Die mittleren Impf-Effekt-Verhältnisse für alle eingeschlossenen Impfstoffe sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Impfstoff Verhinderte Todesfälle pro 1000 Impfungen (95-%-KI) Verhinderte DALYs pro 1000 Impfungen (95-%-KI)
HPV

11,24 (10,88 bis 11,64)

523,04 (499,92 bis 547,11)
Masern 6,09 (4,90 bis 7,07) 411,01 (331,63 bis 476,14)
HepB

5,00 (4,47 bis 5,58)

141,94 (127,28 bis 157,71)
Malaria (RTS,S/R21) 2,78 (2,16 bis 3,53) 203,04 (156,99 bis 259,97)
Hib 2,22 (1,81 bis 2,61) 150,37 (124,74 bis 176,12)
Gelbfieber 1,86 (0,52 bis 4,23) 72,26 (20,06 bis 165,63)
Rota 0,80 (0,49 bis 1,04) 46,07 (25,78 bis 61,78)
Röteln 0,22 (0,12 bis 0,35) 16,78 (11,91 bis 23,51)
Typhus 0,68 (0,21 bis 1,72) 26,57 (7,96 bis 70,69)
PCV 1,53 (0,87 bis 2,09) 104,91 (61,47 bis 142,93)
Meningokokken-Meningitis (MenA/MenACWYX) 0,66 (0,49 bis 0,85) 42,78 (31,90 bis 54,91)
Cholera 0,20 (0,13 bis 0,56) 6,13 (4,81 bis 12,61)
Japanische Enzephalitis 0,18 (0,10 bis 0,30) 80,57 (55,55 bis 106,80)
COVID-19 0,12 (0,08 bis 0,18) 4,03 (2,86 bis 6,19)

Aufgrund der parameter-, struktur- und stochastikbedingten Unsicherheit überlappten die Wertebereiche häufig. Bemerkenswert sind Unterschiede in der Rangfolge zwischen verhinderten Todesfällen und DALYs: So rangiert Malaria, die überwiegend sehr junge Kinder betrifft und zu vielen verlorenen Lebensjahren führt, bei den DALYs höher als bei den Todesfällen. Die Impf-Effekt-Verhältnisse variierten zudem zwischen den Subregionen sowie nach Impfaktivitätstyp (Routineimmunisierung vs. Kampagne) und Dosis. Für die HPV-Impfung beziehen sich die Ergebnisse auf ein Zwei-Dosen-Schema; der Übergang vieler Länder zu einem Ein-Dosen-Schema würde den Effekt pro Dosis deutlich verbessern. Beim Vergleich von MenA und MenACWYX zeigte MenACWYX trotz überlappender Unsicherheitsbereiche tendenziell ein höheres Impf-Effekt-Verhältnis bei verhinderten Todesfällen. Die Röteln-Schätzungen umfassen ausschließlich Todesfälle durch das kongenitale Rötelnsyndrom und nicht Infektionen während der Schwangerschaft mit möglichen Aborten oder Totgeburten.


Folgerung der Autoren

 

Mit der Einführung länderspezifischer Impfstoffbudgets im Rahmen von Gavi 6.0 (2025–30) gewinnt eine rigorose Priorisierung der Impfprogramme an Bedeutung, da die verfügbaren Mittel nicht alle empfohlenen Impfstoffe abdecken können. Die berechneten Impf-Effekt-Verhältnisse bieten hierfür eine standardisierte und reproduzierbare Vergleichsgrundlage. HPV- und Masernimpfungen weisen die höchsten Werte für verhinderte Todesfälle und DALYs pro 1000 Impfungen auf; für andere Impfstoffe variieren die Verhältnisse nach Subregion, Aktivitätstyp und Dosis, mit häufig überlappenden Unsicherheitsbereichen. Die Ergebnisse sollten daher gemeinsam mit weiteren Faktoren wie Kosteneffektivität und Einsatz in der Ausbruchsbekämpfung betrachtet werden, um Impfinvestitionen evidenzbasiert zu optimieren.


Kommentar der Herausgeber


In der individuellen Impfberatung ist eine Priorisierung von einzelnen Impfungen gegenüber anderen heikel und häufig kontraproduktiv. Für die öffentliche Gesundheit und die Entscheidung, welche Impfprogramme angesichts limitierter Ressourcen besonders wirksam sind, haben diese Zahlen dagegen eine große Bedeutung.

 

Gaythorpe, K. A. M. et al. Quantifying relative health impact across Gavi, the Vaccine Alliance’s portfolio in 117 countries at the subregional level: a modelling study. Lancet. 2026; 407(10542):1941-1952. doi: 10.1016/S0140-6736(26)00000-0

 

17.06.2026

Mundpflege als wirksame Prävention der nicht-beatmungsassoziierten nosokomialen Pneumonie (NV-HAP)

Die nicht-beatmungsassoziierte nosokomiale Pneumonie (non-ventilator hospital-acquired pneumonia, NV-HAP) zählt zu den häufigsten nosokomialen Infektionen, wird jedoch nur selten systematisch erfasst oder gezielt durch Präventionsmaßnahmen adressiert. Patienten mit NV-HAP verbringen zwischen 10 und 48 Tage länger im Krankenhaus und haben ein etwa achtfach erhöhtes Sterberisiko. Die Mundpflege gilt als wesentliche präventive Maßnahme, da eine Reduktion der oralen bakteriellen Belastung das Risiko aspirationsbedingter Pneumonien senken kann. Bisher liegen jedoch nur wenige hochwertige randomisierte kontrollierte Studien aus dem Krankenhaussetting vor.

 

Die Hospital Acquired Pneumonia Prevention (HAPPEN)-Studie war eine offene, multizentrische, stepped-wedge, cluster-randomisierte kontrollierte Studie an drei australischen Krankenhäusern. Neun Clustern wurden drei Behandlungssequenzen zugeordnet. Eingeschlossen waren alle Patienten ab 18 Jahren mit einer Verweildauer von mindestens 48 h. Die Intervention umfasste drei Komponenten:

 

  • intensivierte Bereitstellung von Mundpflege und entsprechenden Produkten
  • Patienten- und Mitarbeiterschulungen
  • Audit und Feedback

 

Die Mundpflege beinhaltete das Befeuchten der Lippen sowie die Reinigung von Zähnen oder Zahnprothesen und Zunge mit einer geeigneten Zahnbürste und einer natriumbikarbonat- und fluoridhaltigen Zahnpasta; antiseptische Mundspülungen kamen nicht zum Einsatz. Die Kontrollbedingung bestand aus der üblichen Praxis. Der primäre Endpunkt war die NV-HAP-Inzidenz nach den Kriterien des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Sekundäre Endpunkte umfassten nosokomiale Infektionen der unteren und oberen Atemwege (LRTI bzw. URTI, exklusive COVID-19) sowie Infektionen der Mundhöhle (EENT-Oral).

 

Im Studienzeitraum vom 3. Juni 2024 bis zum 22. August 2025 waren 12.446 Patienten teilnahmeberechtigt; 3.336 wurden wegen einer Verweildauer von unter 48 Stunden ausgeschlossen. In die Analyse gingen 8.870 Patienten ein, davon 4.523 unter Kontroll- und 4.347 unter Interventionsbedingung. Eine NV-HAP trat bei insgesamt 78 (0,9 %) Patienten auf, davon 46 (1,0 %) von 4.523 in der Kontroll- und 32 (0,7 %) von 4.347 in der Interventionsgruppe. Die Interventionsexposition war mit einer kumulativen Hazard Ratio von 0,40 (95-%-KI: 0,19 bis 0,82) verbunden, was einer Reduktion von 1,00 auf 0,41 Infektionen pro 100 Aufnahmetage unter Risiko entsprach. Für nosokomiale Infektionen der unteren oder oberen Atemwege lag die kumulative Hazard Ratio bei 1,64 (95-%-KI: 0,61 bis 4,39), für Infektionen der Mundhöhle bei 1,08 (95-%-KI: 0,66 bis 1,77). Der Anteil der Patienten mit vollständig umgesetztem Mundpflegeprotokoll erhöhte sich unter der Intervention deutlich von 474 (15,9 %) von 2.988 auf 1727 (61,9 %) von 2791.

 

Folgerung der Autoren

 

Diese multizentrische, cluster-randomisierte Studie zeigt, dass eine Strategie zur Verbesserung der Mundpflege die NV-HAP-Inzidenz bei hospitalisierten Patienten im Vergleich zur Standardversorgung wirksam reduziert. Für nosokomiale Infektionen der unteren oder oberen Atemwege sowie der Mundhöhle wurde kein Nutzen nachgewiesen, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass die primären Übertragungswege viraler Infektionen durch Mundpflege nicht beeinflusst werden. Über die NV-HAP-Prävention hinaus dürften weitere Vorteile in der Linderung von Mundtrockenheit, der Verbesserung des Patientenkomforts sowie der früheren Erkennung von Komplikationen wie oraler Candidiasis liegen. Die Ergebnisse stärken die Evidenzbasis für zukünftige Leitlinien zur NV-HAP-Prävention. Da die Intervention durch dedizierte Forschungspflegekräfte erbracht wurde, sind weitere implementierungsorientierte Studien sowie gesundheitsökonomische Analysen erforderlich.

 

Kommentar der Herausgeber

 

Während zahlreiche aktuelle Studien in der Infektionsprävention verschiedene Bundle von oft zahlreichen Maßnahmen testen, zeigte diese Arbeit den Nutzen einer relativen einfachen intensivierten oralen Hygienemaßnahme.

 

White, N. M. et al. Effectiveness of oral care for the prevention of non-ventilator hospital-acquired pneumonia (HAPPEN): a multicentre, stepped-wedge, cluster-randomised trial in Australia. Lancet Infect Dis. 2026; published online first June 8, 2026. doi: 10.1016/S1473-3099(26)00235-5

 

17.06.2026

INFEKTIO_Podcast | Ich hab da was gefunden – Fallstricke der mikrobiologischen Diagnostik

Der Podcast consilium infectiorum bietet medizinischem Fachpersonal praxisrelevante Themen der klinischen Infektiologie und unterstützt dabei, evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Patienten auszuwählen.
In jeder Folge diskutiert Infektiologe Prof. Mathias Pletz aus Jena mit einem Expertengast einen klinischen Schwerpunkt – fundiert und dennoch in entspannter Gesprächsatmosphäre.

 

Besonders praktisch: Für jede Folge können Sie bis zu einem Jahr nach Veröffentlichung CME-Punkte sammeln, indem Sie die zugehörigen CME-Fragen beantworten.


In der aktuelle Folge ist Prof. Holger Rohde aus Hamburg zu Gast. Gemeinsam widmen sie sich den Fallstricken der mikrobiologischen Diagnostik.

 

>> Zur Podcast-Folge

 

17.06.2026

Trends bei der Langzeit-Antibiotikaverordnung nach gezielten ambulanten Antibiotic-Stewardship-Maßnahmen

Bis zu 90 % des Antibiotikaverbrauchs entfallen auf den ambulanten Bereich, wobei schätzungsweise die Hälfte aller Verordnungen suboptimal oder unnötig ist. Übermäßig lange Therapiedauern finden sich je nach Syndrom in 40–85 % der Verordnungen und tragen maßgeblich zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bei. Die Mayo Clinic implementierte im Januar 2020 ein ambulantes Antibiotic-Stewardship-Programm (ASP), das sich auf Primärversorgung und Akutversorgung (Urgent Care) konzentrierte und jährlich syndromspezifische Verbesserungsziele verfolgte – etwa die Reduktion unnötiger Antibiotikaverordnungen bei viralen oberen Atemwegsinfektionen (URI) und die Optimierung der Verordnungspraxis bei Harnwegsinfektionen (UTI). Eine retrospektive, multizentrische Kohortenstudie untersuchte nun, ob diese fokussierten Maßnahmen auch mit breiteren Reduktionen von Langzeit-Antibiotikaverordnungen (LDAP; definiert als > 7 Tage) korrespondierten.

Insgesamt wurden 675.526 Antibiotikaverordnungen aus 642.579 Patientenkontakten im Zeitraum November 2020 bis Juni 2025 eingeschlossen; 42,2 % wiesen eine Verordnungsdauer > 7 Tage auf. ASP-Einrichtungen machten 83,0 % aller Kontakte aus. ASP-Verordnungspanels wurden in 10,5 % aller Kontakte genutzt, wobei 99,2 % der Nutzung auf ASP-Einrichtungen entfielen. Bei Panel-Nutzung lag die LDAP-Rate bei 30,1 % gegenüber 44,2 % ohne.

Abbildung 1 zeigt den Gesamttrend der LDAP über den Studienzeitraum von November 2020 bis Juni 2025, dargestellt als monatlicher Anteil aller ambulanten Kontakte mit einer Antibiotikaverordnung > 7 Tage. Der Anteil sank von 46,2 % im November 2020 auf 35,7 % im Juni 2025, was einer absoluten Differenz von −10,5 Prozentpunkten (pp) bzw. einer relativen Reduktion von 22,7 % entspricht. Die lineare Regressionslinie modelliert eine geschätzte jährliche Abnahme von −3,2 pp. Auffällig ist ein vorübergehender Anstieg der LDAP von etwa November 2022 bis Juni 2023, der mit der Rückkehr zu einer „normalen“ respiratorischen Virussaison in den USA nach der COVID-19-Pandemie korrespondiert.
 

Abbildung 1: Gesamtanteil ambulanter Kontakte mit Antibiotikaverordnungen > 7 Tage über die Zeit (November 2020 – Juni 2025). Die blaue Trendlinie modelliert die geschätzte jährliche Abnahme von −3,2 Prozentpunkten; der grau schattierte Bereich zeigt das zugehörige 95-%-Konfidenzintervall.


Eigene Darstellung basierend auf Daten aus: [1], erstellt mit NotebookLM

Die Subgruppenanalysen zeigten, dass sowohl ASP- als auch Nicht-ASP-Einrichtungen signifikante Rückgänge der LDAP über den Studienzeitraum verzeichneten, wobei die Verbesserungen in ASP-Einrichtungen deutlich ausgeprägter waren. Die LDAP in ASP-Einrichtungen sank von 46,8 % auf 34,8 % (Differenz −12 pp), während Nicht-ASP-Einrichtungen einen Rückgang von 45,5 % auf 39,1 % verzeichneten (Differenz −6,4 pp). In der linearen Regression zeigten Nicht-ASP-Einrichtungen eine signifikante jährliche Abnahme von 2,4 pp (95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,8 bis 2,9; P < 0,001). Für ASP-Einrichtungen betrug die jährliche Abnahme 3,4 pp (95-%-KI 2,9 bis 3,9; P < 0,001) – 1,0 pp mehr als in Nicht-ASP-Einrichtungen (95-%-KI 0,26 bis 1,8; P = 0,009). Bei ausschließlicher Betrachtung der Nicht-Prioritätsdiagnosen war die Abnahme in ASP-Einrichtungen mit 4,1 pp pro Jahr (95-%-KI 3,8 bis 4,5; P < 0,001) signifikant größer als in Nicht-ASP-Einrichtungen mit 2,7 pp (95-%-KI 2,3 bis 3,0; P < 0,001), mit einer Differenz von 1,4 pp (95-%-KI 0,9 bis 1,9; P < 0,001). Innerhalb der ASP-Einrichtungen wiesen Nicht-Prioritätsdiagnosen eine jährliche Abnahme von 4,1 pp auf (95-%-KI 3,3 bis 4,9; P < 0,001), während Prioritätsdiagnosen eine Abnahme von 2,6 pp zeigten (95-%-KI 1,9 bis 3,4; P < 0,001), wobei die Differenz 1,5 pp betrug (95-%-KI 0,4 bis 2,6; P = 0,010). Innerhalb Nicht-ASP-Einrichtungen nahmen Nicht-Prioritätsdiagnosen um 2,7 pp pro Jahr ab (95-%-KI 2,0 bis 3,4; P < 0,001), während Prioritätsdiagnosen mit einer geschätzten jährlichen Veränderung von −0,4 pp stabil blieben (95-%-KI −1,1 bis 0,3; P = 0,281). Die Differenz zwischen den beiden Gruppen betrug 2,3 pp (95-%-KI 1,3 bis 3,3; P < 0,001).

Bemerkenswert war, dass in ASP-Einrichtungen auch bei Nicht-Prioritätsdiagnosen – also Syndromen, die nie direkt vom ASP adressiert wurden – signifikante LDAP-Reduktionen auftraten. In Nicht-ASP-Einrichtungen hingegen blieben Prioritätsdiagnosen hinsichtlich der LDAP stabil. Respiratorische Diagnosen außerhalb der URI-Prioritätsgruppe zeigten mit 7,4 pp pro Jahr (95-%-KI 6,6 bis 8,2; P < 0,001) die größte jährliche Abnahme.

 

Folgerung der Autoren

Die Befunde deuten auf vorteilhafte „Off-Target“-Effekte hin: Obwohl die Interventionen syndromspezifisch ausgerichtet waren, korrelierte die Präsenz des ASP in ASP-Einrichtungen mit Verbesserungen der Verordnungspraxis auch bei nie adressierten Syndromen. Klinische Entscheidungsunterstützungsinstrumente wie Verordnungspanels mit standardisierten Therapiedauern ≤ 7 Tage trugen wahrscheinlich wesentlich zur LDAP-Reduktion bei. Die LDAP erweist sich als praktikable Benchmark-Metrik für ambulante ASPs. Weitere Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Kommentar der Herausgeber

Die meisten Antibiotika werden im ambulanten Sektor verordnet. Diese Arbeit zeigt, dass auch hier mit ASP sehr viel erreicht und ein Kulturwandel bewirkt werden kann. Jetzt müssen wir nur noch entsprechende Strukturen aufbauen und fördern.

 

[1] Ilges, D. et al. Trends in Long Duration Antibiotic Prescribing Following Focused Outpatient Antimicrobial Stewardship Efforts Across a Large Healthcare Enterprise. Clin Infect Dis. 2025; published online first April 09, 2026. doi: 10.1093/cid/ciag244

 

06.05.2026

Sterblichkeitstrends bei Patienten mit schwer behandelbaren, antibiotikaresistenten Gram-negativen Infektionen im Zeitalter neuer Antibiotika in den USA

Gram-negative Infektionen mit schwer behandelbarer Resistenz (Difficult-to-treat Resistance, DTR) sind definiert als Resistenz gegenüber sämtlichen First-Line-Antibiotika, d.h. allen β-Lactamen einschließlich Carbapenemen sowie Fluorchinolonen, und weisen eine um 40 % höhere Sterblichkeit auf als empfindliche Infektionen. Historisch erforderten DTR-Infektionen den Einsatz von Antibiotika wie Aminoglykosiden, Polymyxinen oder Tigecyclin, die mit suboptimalen Behandlungsergebnissen assoziiert sind. Seit 2014 wurden in den USA mehrere neue Antibiotika mit Aktivität gegen resistente Gram-negative Erreger zugelassen, darunter Ceftazidim-Avibactam, Ceftolozan-Tazobactam, Meropenem-Vaborbactam, Imipenem-Relebactam, Cefiderocol und Eravacyclin. Ob diese Substanzen tatsächlich zu verbesserten Überlebensraten bei Patienten mit DTR-Infektionen geführt haben, war bislang unklar.

Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte anhand der PINC-AI Healthcare Database, ob und warum sich die Sterblichkeit bei Patienten mit DTR-Gram-negativen Infektionen seit Einführung dieser neueren Antibiotika verändert hat. Eingeschlossen wurden erwachsene stationäre Patienten (Alter ≥ 18 Jahre), die zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. August 2023 entlassen wurden und bei denen ein mikrobiologischer Nachweis einer DTR-Infektion durch Enterobacterales, Pseudomonas aeruginosa oder Acinetobacter baumannii vorlag, verbunden mit einer Antibiotikatherapie über mindestens drei konsekutive Tage. Im Studienzeitraum wurden 8 319 398 stationäre Aufenthalte aus 471 Krankenhäusern erfasst, von denen 9384 (0,11 %) einen DTR-Erregernachweis aufwiesen. Davon erfüllten 5065 (54,0 %) Aufenthalte aus 262 Krankenhäusern die Einschlusskriterien. Das mittlere Alter betrug 59,9 Jahre (Standardabweichung 16,2), 59,5 % waren männlich. Eine Sepsisdiagnose lag bei 64,8 % vor, 45,7 % erforderten eine Intensivaufnahme, 31,7 % eine maschinelle Beatmung und 24,8 % Vasopressoren. Die häufigsten Erreger waren P. aeruginosa (46,6 %), A. baumannii (28,6 %) und Enterobacterales (24,8 %).

Die Verfügbarkeit neuerer Antibiotika nahm im Studienzeitraum deutlich zu: Der Anteil der Krankenhäuser mit Einsatz mindestens eines neueren Antibiotikums stieg von 12 % (23 von 198) im Zeitraum 2016–2018 auf 63 % (103 von 163) im Zeitraum 2021–2023; der Anteil mit Empfindlichkeitstestungen für neuere Antibiotika von 4 % (8 von 198) auf 71 % (116 von 163). Der Anteil der Patienten, die ein neueres Antibiotikum als Initialtherapie erhielten, stieg von 4 % (21 von 589) im Jahr 2016 auf 15 % (34 von 234) im Jahr 2023. Dennoch erhielten in der Mehrzahl der Fälle (196 [84 %] von 234) die Patienten auch 2023 weiterhin eine in-vitro-diskordante initiale Antibiotikatherapie. Insgesamt war bei 3775 von 4875 Aufenthalten (77,4 %) die Initialtherapie inadäquat. Von den 1100 Aufenthalten mit adäquater Therapie wurde in 783 Fällen (71,2 %) dennoch ein traditionelles DTR-aktives Antibiotikum eingesetzt.

Die Krankenhaussterblichkeit wurde mittels eines generalisierten linearen gemischten Modells (GLMM) analysiert, adjustiert für patienten-, krankenhaus- und COVID-19-pandemiebezogene Faktoren. Über den gesamten Zeitraum gemittelt betrug die geschätzte Sterblichkeitswahrscheinlichkeit 20 % (95-%-Konfidenzintervall [KI] 18 bis 23) für Enterobacterales, 20 % (95-%-KI 18 bis 22) für P. aeruginosa und 25 % (95-%-KI 23 bis 28) für A. baumannii. Zwischen 2016 und 2023 wurde keine Veränderung des durchschnittlichen marginalen Effekts auf die adjustierte Sterblichkeit beobachtet – weder für Enterobacterales (0,1 %; 95-%-KI −1,1 bis 1,4) noch für P. aeruginosa (−0,7 %; 95-%-KI −1,7 bis 0,3) oder A. baumannii (−0,4 %; 95-%-KI −1,8 bis 0,9). Bei Stratifizierung nach Infektionsort zeigte sich einzig für DTR-P. aeruginosa-Blutstrominfektionen eine Abnahme der adjustierten Sterblichkeit (−4,5 % pro Jahr; 95-%-KI −8,2 bis −0,6), während alle anderen Erreger-Infektionsort-Kombinationen unverändert blieben. Im GLMM war weder der Erhalt eines neueren Antibiotikums (adjustierte Odds Ratio [aOR] 1,11; 95-%-KI 0,89 bis 1,40) noch eine in-vitro-diskordante vs. konkordante Initialtherapie (aOR 1,12; 95-%-KI 0,91 bis 1,38) mit einer veränderten Sterblichkeit assoziiert. Auch die Verfügbarkeit neuerer Antibiotika auf Krankenhausebene zeigte keinen signifikanten Zusammenhang mit der Sterblichkeit.

Folgerung der Autoren

Trotz erheblich gestiegener Verfügbarkeit und Verordnung neuerer Antibiotika in US-amerikanischen Krankenhäusern zwischen 2016 und 2023 wurde bei der Mehrzahl der DTR-Gram-negativen Infektionen keine Reduktion der Sterblichkeit beobachtet. Die initiale Antibiotikatherapie bleibt überwiegend diskordant; selbst bei konkordanter Therapie werden häufig suboptimale traditionelle DTR-aktive Substanzen eingesetzt. Die konventionelle Empfindlichkeitstestung benötigt durchschnittlich 92,2 Stunden, was eine erhebliche Verzögerung der zielgerichteten Therapie bedeutet. Die Entwicklung und Implementierung schneller diagnostischer Plattformen zur frühzeitigen Erkennung resistenter Phänotypen, klinische Studien mit stärkerer Repräsentation von DTR-Patienten sowie die Erforschung nicht-antimikrobieller, wirtgerichteter Therapieansätze könnten entscheidende Schritte zur Senkung der Sterblichkeit bei resistenten Infektionen darstellen.

Kommentar der Herausgeber

Obwohl die neueren, deutlich teureren Antibiotika in Zulassungsstudien nahezu durchweg mit einem besseren Outcome assoziiert sind als ältere Substanzen, zeigen die enttäuschenden Ergebnisse aus der Praxis – begründet in der offensichtlichen Bevorzugung billigerer alter Substanzen und der zu langsamen Diagnostik und des dadurch verzögerten Einsatzes – deutlich, dass der durch Studien belegte Vorteil dieser neuen Mittel nur durch einen entsprechend gut gesteuerten Einsatz in einen klinischen Vorteil für die Patienten überführt werden kann.

 

Walker, M. K. et al. Survival trends in patients with difficult-to-treat, antibiotic-resistant, Gram-negative infections in the era of next-generation antibiotics in the USA: a retrospective cohort study. Lancet Infect Dis. 2026; published online first March 25, 2026. doi: 10.1016/S1473-3099(26)00020-4

 

06.05.2026

Neue S3-Leitlinie zur Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen in Deutschland

Tuberkulose ist in Deutschland mit einer Inzidenz von etwa

5 / 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern selten, doch rund 75 % der Betroffenen sind nicht in Deutschland geboren. Für 2022 wurden 4.076 Fälle gemeldet, 71 % der 116 Todesfälle betrafen Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Die Inzidenz für eine extrapulmonale Tuberkulose ist 64-fach höher bei ausländischer vs. deutscher Staatsangehörigkeit.

 

Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) hat unter Beteiligung von 16 Fachgesellschaften nun die erste deutsche S3-Leitlinie zur Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen vorgelegt (AWMF-Register 020-029, Version 1.0, September 2025).

 

Die Leitlinie umfasst 31 konsensbasierte Empfehlungen für das Screening auf Tuberkuloseinfektion (TBI), die präventive Therapie, das Screening auf aktive Tuberkulose, die Implementierungsvoraussetzungen sowie Kommunikationsstrategien.

 

Dabei verwendet sie ein dreistufiges Empfehlungsschema: „soll" (starke Empfehlung) bedeutet, dass Evidenz und Nutzen-Risiko-Abwägung klar sind; „sollte" (schwache Empfehlung) signalisiert eingeschränkte Evidenz, bei der individuelle Faktoren berücksichtigt werden sollten; „kann" (offene Empfehlung) wird bei unsicherer Evidenzlage ausgesprochen.


TBI-Screening – altersabhängig abgestuft:

 

  • 15–35 Jahre, Herkunftsland-Inzidenz > 100 / 100.000, Einreise innerhalb der letzten 2 Jahre: soll angeboten werden (starker Konsens 100 %)
  • 35–45 Jahre, gleiche Kriterien: sollte angeboten werden (Konsens 95 %)
  • > 45 Jahre, Inzidenzschwellenwert > 150 / 100.000: kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung angeboten werden (Konsens 82 %)
  • Komplexe Migrationsbedingungen (z.B. lange Fluchtrouten, Kriegs-/Krisenregionen): kann unabhängig von Alter und Inzidenz angeboten werden (starker Konsens 100 %)


Die abgeschwächte Empfehlung für über 45-Jährige begründet sich durch die ansteigende Rate toxisch bedingter Hepatitiden unter Isoniazid und das abnehmende Lebenszeitprogressionsrisiko. Populationsbasierte Kohortenstudien zeigten eine Reduktion der Tuberkulose-Inzidenz durch Screening und präventive Therapie (HR 0,76; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,63 bis 0,91). Das kumulative 2-Jahres-Progressionsrisiko ohne Therapie beträgt 4,1 % (95-%-KI 1,3 bis 12,0), wobei 81,6 % des 5-Jahres-Risikos in den ersten 2 Jahren auftreten. 


Präventive Therapie – bevorzugte Regime:

   

  • 4R (Rifampicin 4 Monate): gleiche Wirksamkeit wie 9H, höhere Abschlussraten (+157 / 1.000), weniger UAW Grad 3–5
  • 3HR (Isoniazid + Rifampicin 3 Monate): Effektivität vs. Placebo OR 0,53 (95-%-KI 0,36 bis 0,78), weniger UAW vs. 6-9H, höhere Abschlussraten (+389 / 1.000)
  • 6-9H nur bei Kontraindikation/Unverträglichkeit von Rifampicin
  • Bei MDR-/RR-Tuberkulose-Rate > 10 % im Herkunftsland (v.a. postsowjetische Staaten): individuelle Abwägung mit spezialisiertem Zentrum
  • Kontaktpersonen bei Fluorchinolon-empfindlichem MDR-/RR-Stamm: Levofloxacin 6 Monate (Risikoreduktion: Kinder 56 %, Erwachsene/Jugendliche 45 %)


Tuberkulose-Screening:

 

  • Ab 15 Jahren, Herkunftsland-Inzidenz > 100 / 100.000, geplanter Aufenthalt > 3 Monate: TBI-Screening sollte zeitnah nach Einreise angeboten werden
  • Bei zusätzlichen Risikofaktoren oder in Settings mit Ausbruchspotential oder in vulnerablen Gruppem: TBI-Screening soll angeboten werden bei Herkunftsland-Inzidenz > 100 / 100.000 oder MDR-/RR-Prävalenz > 10%
  • Methode: Kombination Symptom-Screening + Thoraxröntgen
    • Entdeckung > 84 % der prävalenten Fälle; 
    • Fallfindungsrate bei Asylsuchenden in Deutschland: 347 / 100.000, NNS: 288


Kinder und Jugendliche (< 15 Jahre):

   

  • TBI-Screening bei Herkunft aus Ländern mit Inzidenz > 100 / 100.000 (TBI-Rate durchschnittlich 11,1 %; bei unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten 18,0 %)
  • Geflüchtete Kinder < 5 Jahre: immer Screening, auch ohne weitere Risikofaktoren

 

Implementierung:

 

  • Screening nach Einreise, kostenfrei, freiwillig, unabhängig vom Aufenthaltsstatus
  • Fallmanagement über die gesamte Versorgungskaskade
  • Monitoring und Evaluation hinsichtlich Kosteneffektivität und epidemiologischem Impact


Kommunikationsstrategien:

   

  • Schulung von Fachpersonal zu Tuberkulose, Versorgungskette sowie kultursensibler und diskriminierungsfreier Kommunikation 
  • Aufklärung zur Entkräftung kultureller Fehleinschätzungen und Vermittlung zentraler Botschaften (Tuberkulose ist heilbar; klare Trennung von Screening und Aufenthaltsrecht) 
  • Zielgruppenorientierte, sprach- und kultursensible Kommunikation unter Einbezug von Sprachmittlung oder Übersetzungshilfen


Die Leitliniengruppe betont, dass die erfolgreiche Umsetzung aller Empfehlungen eine kostendeckende Finanzierung sämtlicher Screeningkomponenten sowie eine bundesweite, systematische Evaluation der Versorgungskaskade voraussetzt, um die Maßnahmen evidenzbasiert weiterzuentwickeln und langfristig zur Tuberkulose-Elimination in Deutschland beizutragen.

 

Häcker, B. et al. S3-Leitlinie Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen (TB-Risk); AWMF-Register Nr. 020-029. 2025; Version 1.0, September 2025. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-029

 

08.04.2026

Neue Surviving Sepsis Campaign 2026: Was Infektiologen und ABS-Experten wissen müssen

Die SSC-Leitlinie ist die weltweit meistzitierte und einflussreichste Leitlinie zum Management der Sepsis – getragen von der Society of Critical Care Medicine (SCCM) und der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM), mit 69 Panelisten aus 23 Ländern. Die aktuelle Version 2026 umfasst 129 Empfehlungen und Statements und adressiert erstmals Themen wie prähospitale Antibiotikagabe, Betablocker-Einsatz und selektive Darmdekontamination.


Die SSC 2026 enthält einige neue Empfehlungen, die für Antibiotic Stewardship (ABS) und infektiologische Beratung unmittelbar relevant sind.


Anaerobier-wirksame Therapie

Bei Patienten ohne Risikofaktoren für anaerobe Infektionen – insbesondere bei pulmonalem oder urologischem Fokus – soll keine routinemäßige anaerobier-wirksame Therapie erfolgen (bedingte Empfehlung).


Selektive Darmdekontamination (SDD)

Erstmals empfiehlt die SSC 2026 SDD bei beatmeten Patienten – jedoch ausdrücklich nur in Einrichtungen mit niedriger MRE-Prävalenz (bedingte Empfehlung). Die S3-Leitlinie 2025 enthält hierzu keine Empfehlung. Für Deutschland ist die Indikation an lokalen Resistenzstatistiken zu orientieren.


Procalcitonin

PCT wird von der SSC 2026 zur Steuerung der Therapiedauer empfohlen (bedingte Empfehlung), zur Einleitung der Antibiotikatherapie hingegen nicht. Die S3-Leitlinie spricht zur Therapiedauer eine starke Empfehlung aus.


Fungale Biomarker

Sowohl Beta-D-Glucan als auch Mannan werden von der SSC 2026 nicht zur Einleitung oder Beendigung einer empirischen Antimykotikatherapie empfohlen. Die S3-Leitlinie nennt Beta-D-Glucan als einen von mehreren Risikofaktoren, ohne eine biomarkergesteuerte Strategie formal zu empfehlen.

 

Prescott, H. C. et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2026. Intensive Care Med. 2026; published online first. doi: 10.1007/s00134-026-08361-1

 

08.04.2026

Zulassungsempfehlung für ersten Kombinationsimpfstoff gegen COVID-19 und Influenza

Nachdem erst kürzlich der neue mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 mNEXSPIKE (Moderna) in Europa zugelassen wurde, könnte dieser bald auch in Kombination mit einem Grippeimpfstoff zur Verfügung stehen [1]. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt nach seiner Sitzung am 26. Februar die Zulassungserteilung für mCOMBRIAX, den ersten kombinierten Impfstoff gegen COVID-19 und saisonale Influenza für Menschen ab 50 Jahren [2].


Die durch COVID-19 und Influenza verursachten Atemwegsinfektionen verlaufen in den meisten Fällen leicht bis mittelschwer, bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem können jedoch schwere Verläufe auftreten, insbesondere bei einer Koinfektion mit Influenza und SARS-CoV-2 [3]. In Deutschland wurden seit Beginn der Saison 2025/2026 etwa 225.000 Influenza-Fälle (26 % hospitalisiert) und 111.000 COVID-19-Fälle (36 % hospitalisiert) gemäß Infektionsschutzgesetz an das Robert Koch-Institut gemeldet [4]. Unter den ca. 1.500 bzw. 1.400 Todesfällen mit bestätigter Influenza- bzw. SARS-CoV-2 Infektion waren 95 % bzw. 96 % 60 Jahre oder älter.


mCOMBRIAX (mRNA-1083) ist eine Kombination aus mNEXSPIKE (mRNA-1283), dem gegen SARS-CoV2-gerichteten mRNA-Impfstoff der zweiten Generation, und mRNA-1010, dem gegen die Influenza-Viren A/H1N1, A/H3N2 und B/Victoria gerichteten Grippeimpfstoff [2,5]. 


mCOMBRIAX enthält pro Einzeldosis insgesamt 40 µg mRNA, verkapselt in Lipid-Nanopartikeln [5]. Im Gegensatz zu allen vorherigen mRNA-basierten Impfstoffen gegen COVID-19 codiert die in mNEXSPIKE enthaltenen mRNA nicht für das volle Spike-Protein, sondern nur für die membrangebundene N-terminale Domäne und die rezeptorbindende Domäne [2, 5]. Die in mRNA-1010 enthaltenen mRNA-Sequenzen codieren hingegen für die vollständigen membrangebundenen Hämagglutinin-Glykoproteine der saisonalen Influenzaviren [2,5]. 


Die Zulassungsempfehlung basiert auf den Ergebnissen einer randomisierten, beobachterverblindeten, aktiv kontrollierten Phase-III-Studie an 8015 Personen ab 50 Jahren, die die Immunogenität und Sicherheit des neuen Kombinationsimpfstoffs untersuchte [5].  Alle Personen erhielten 1:1 randomisiert entweder eine intramuskuläre Injektion mit mCOMBRIAX (+ gleichzeitige Injektion mit Placebo) oder eine Injektion mit dem COVID-19-Impfstoff Spikevax (mRNA-1273), gleichzeitig verabreicht mit einem zugelassenen quadrivalenten saisonalen Grippeimpfstoff. Personen im Alter von 50-64 Jahren wurden mit FLUARIX (Standarddosis) geimpft, in der Altersgruppe ≥ 65 Jahre wurde hingegen Efluelda (Hochdosis) eingesetzt. Zur Beurteilung der Immunogenität wurden 28 Tage nach der Impfung die Antikörpertiter mittels Hämagglutinationshemmtest bzw. Pseudovirus-Neutralisationstest sowie die Serokonversion von Anti-Hämagglutinin-Antikörpern und Seroresponse von neutralisierenden Antikörpern bestimmt. Für mCOMBRIAX konnte gegenüber allen enthaltenen Virusstämmen eine Nichtunterlegenheit der durch die Impfung ausgelösten Immunantworten im Vergleich zur Applikation der jeweiligen Einzelimpfstoffe gezeigt werden. Darüber hinaus war die durch mCOMBRIAX ausgelöste Immunantwort gegen SARS-CoV-2 (alle Altersgruppen) und alle vier (bei 50-64-Jährigen) bzw. drei (bei ≥ 65-Jährigen) Influenzastämme stärker als nach der einzelnen Applikation der Impfstoffe. Der einzige Stamm, für den bei Erwachsenen ab 65 Jahren keine statistisch signifikant höhere Immunantwort beobachtet werden konnte, war B/Yamagata, der entsprechend aktuellen Empfehlungen nicht mehr in saisonalen Grippeimpfstoffen enthalten ist.


Die Impfung mit mCOMBRIAX zeigte ein akzeptables Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Im Vergleich zur Applikation der Einzelimpfstoffe waren Häufigkeit und Schwere der berichteten Nebenwirkungen in beiden Alterskohorten zwar numerisch höher (≥ 65 Jahre: 83,5 % und 78,1 %; 50–64 Jahre: 85,2 % und 81,8 %), die meisten waren jedoch von Schweregrad 1 und 2 und von kurzer Dauer [5]. Die häufigsten Nebenwirkungen von mCOMBRIAX sind Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, geschwollene Lymphknoten, Übelkeit und Erbrechen sowie Fieber [3]. 


Als erster kombinierter COVID-19/Influenza-Impfstoff bietet mCOMBRIAX Personen ab 50 Jahren die Möglichkeit, sich mit einer einzigen jährlichen Impfung gegen beide Krankheiten zu schützen, wofür derzeit zwei Injektionen mit Einzelimpfstoffen nötig sind. Für die Zulassungserteilung in Europa ist noch die Zustimmung der Europäischen Kommission ausstehend. Die zum Zeitpunkt der klinischen Studien untersuchte Impfstoffzusammensetzung (Omicron XBB.1.5, A/H1N1, A/H3N2, B/Victoria, B/Yamagata) basierte auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für die Saison 2023/2024. Analog anderen COVID-19- und Grippeimpfstoffen wird auch bei mCOMBRIAX eine jährliche Anpassung an die zirkulierenden Virusstämme erwartet [3].

 

1 Moderna, Inc. Moderna Receives European Commission Marketing Authorization for COVID-19 Vaccine mNEXSPIKE. Published online Feb 17, 2026. URL: https://feeds.issuerdirect.com/news-release.html?newsid=8201845178897387&symbol=MRNA
 

2 European Medicines Agency (EMA). mCOMBRIAX – summary of opinion. EMADOC-1829012207-43023. Published online Feb 26, 2026. URL: https://www.ema.europa.eu/en/documents/smop-initial/chmp-summary-positive-opinion-mcombriax_en.pdf
 

3 European Medicines Agency (EMA). First combined COVID-19 and influenza vaccine for people 50 years and older. Published online Feb 27, 2026. URL: https://www.ema.europa.eu/en/news/first-combined-covid-19-influenza-vaccine-people-50-years-older
 

4 Robert Koch-Institut (RKI). ARE-Wochenbericht KW 9/2026. doi: 10.25646/13921. URL: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/13486/ARE-Wochenbericht_KW09_2026.pdf?sequence=1&isAllowed=y
 

5 Rudman Spergel, A.K. et al. Immunogenicity and Safety of Influenza and COVID-19 Multicomponent Vaccine in Adults ≥50 Years: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2025; 333(22):1977-1987. doi: 10.1001/jama.2025.5646

 

11.03.2026

Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien – Neue S3-Leitlinie

Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) hat gemeinsam der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie, der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Österreichischen Gesellschaft für Infektiologie und Tropenmedizin sowie weiteren Fachgesellschaften eine neue S3-Leitlinie zur Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien entwickelt. Die Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Behandlung dieser zunehmend herausfordernden Infektionen.

 

Diagnostik als Grundlage


Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Betonung einer qualifizierten mikrobiologischen Diagnostik. Bei der erstmaligen Charakterisierung eines Isolats mit Verdacht auf Multiresistenz während eines stationären Aufenthaltes soll der Einsatz von jeweils zwei Verfahren zur Erregeridentifizierung und zur Bestimmung der den MRE-Status bestimmenden Resistenzen erfolgen (Empfehlung 2.1.1). Bei schweren MRE-Infektionen sollten Labororganisation und Verfahren so gestaltet werden, dass die Zeitdauer von der Gewinnung des Untersuchungsmaterials bis zur vorläufigen Befundmitteilung möglichst kurzgehalten wird (Empfehlung 2.1.2). Bei Verdacht auf eine schwere MRE-Infektion kann eine mikrobiologische Schnelldiagnostik direkt aus dem Untersuchungsmaterial wie Blut oder Liquor mit Nukleinsäure-basierten Testmethoden erwogen werden (Empfehlung 2.1.3).


Von besonderer Bedeutung bei multiresistenten Gram-negativen Bakterien ist die Produktion von Carbapenemasen. Bei schweren MRE-Infektionen durch Gram-negative Bakterien soll eine Bestimmung des Resistenzmechanismus, mindestens aber ein Nachweis oder Ausschluss von Metallo-β-Lactamasen (MBL) und gegebenenfalls der nachgewiesenen Carbapenemasen, erfolgen (Empfehlung 2.1.4).


Therapeutische Empfehlungen


Die Leitlinie gibt differenzierte Empfehlungen für die wichtigsten multiresistenten Erreger:

Erreger Erste Wahl Alternative/Besonderheiten
CRE (Carbapenem-resistente Enterobacterales) Ceftazidim-Avibactam, Meropenem-Vaborbactam oder Imipenem-Relebactam (sofern keine MBL)

Bei Resistenz oder MBL-Nachweis: Cefiderocol oder Aztreonam-Avibactam. 

Bei intraabdominellen Infektionen: Eravacyclin oder Tigecyclin

DTR-P. aeruginosa (Difficult-to-Treat Resistance)

Ceftolozan-Tazobactam (bevorzugt unter ABS-Aspekten)

Ceftazidim-Avibactam, Imipenem-Relebactam, Cefiderocol (bei MBL vorbehalten). 


Bei Versagen aller: Aztreonam-Avibactam

CRAB (Carbapenem-resistente A. baumannii) Cefiderocol Sulbactam-Durlobactam in Kombination mit Carbapenem (keine EU-Zulassung). 

Alternativen: Sulbactam kombiniert mit Levofloxacin, Tigecyclin oder Colistin
MRSA-Blutstrominfektion Daptomycin oder Vancomycin i.v. (Auswahl nach Infektionsfokus und Nephrotoxizitätsrisiko) Bei Kontraindikation: Teicoplanin, Linezolid oder Ceftobiprol
MRSA-Endokarditis Daptomycin oder Vancomycin i.v. Bei Kunstklappen: zusätzlich Fosfomycin oder Rifampicin
MRSA-Pneumonie Linezolid oder Vancomycin i.v. Auswahl nach Toxizitätsrisiko und Co-Medikation
MRSA-Haut-/Weichgewebe Linezolid oder Daptomycin Tedizolid, Ceftarolin, Ceftobiprol, Delafloxacin oder Vancomycin/Teicoplanin plus Rifampicin/Fosfomycin. 

Sequenz: Dalbavancin oder Oritavancin
VRE-BSI (Vancomycin-resistente Enterokokken) Linezolid i.v. oder Daptomycin (10 bis 12 mg/kg/Tag)

Daptomycin nicht bei MHK > 2 mg/l. Tigecyclin/Eravacyclin nicht bei BSI.

Bei intraabdominellen Infektionen: Tigecyclin, Eravacyclin oder Linezolid mit Partner

Die Definition der DTR bei P. aeruginosa wurde 2021 von Tamma et al. eingeführt und beschreibt eine gleichzeitige Nichtempfindlichkeit gegenüber allen klinisch relevanten antipseudomonalen Erstlinienantibiotika. Im Unterschied zu den früheren Klassifikationen MDR, XDR und PDR bildet die DTR-Kategorie therapieentscheidende Resistenzmuster praxisnäher ab.


Zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Therapie von Infektionen durch multiresistente Erreger sind prospektive, randomisierte Studien mit klar definierten mikrobiologischen Einschlusskriterien dringend erforderlich. Besonderes Augenmerk sollte auf die vergleichende Wirksamkeit neuer Substanzen, den Stellenwert von Kombinationstherapien, die optimale Dosierung mit therapeutischem Drug Monitoring sowie den Einsatz molekularer Diagnostik gelegt werden. Da Erreger und ihre Resistenzen ständigen Veränderungen unterliegen, kann die Leitlinie nur den Stand bis zu ihrem Erscheinen abbilden.

 

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11.03.2026

Welttuberkulosetag 2026: Ja! Wir können TB beenden!

Die WHO hat den Welttuberkulosetag 2026 unter das Motto „Yes! We can End TB! Led by countries. Powered by people.“ (zu deutsch: „Ja! Wir können TB besiegen! Angeführt von Ländern. Angetrieben von Menschen.“) gestellt. Der am 24. März begangene Aktionstag unterstreicht die zentrale Bedeutung nationaler Strategien und zivilgesellschaftlichen Engagements im Kampf gegen Tuberkulose. 

 

Tuberkulose bleibt eine der führenden infektiösen Todesursachen weltweit. Mit der End-TB-Strategie verfolgt die WHO das Ziel, die Tuberkulose-Epidemie bis 2030 zu beenden – dies bedeutet eine Reduktion der Tuberkulose-bedingten Sterblichkeit um 90 % und der Inzidenz um 80 % im Vergleich zu 2015.


Die Kampagne betont die essenzielle Rolle der einzelnen Länder bei der Implementierung evidenzbasierter Tuberkuloseprogramme sowie die unverzichtbare Bedeutung betroffener Menschen und Gemeinschaften als treibende Kräfte für Veränderung. Besondere Aufmerksamkeit gilt vulnerablen Populationen mit erhöhtem Tuberkuloserisiko, einschließlich Menschen mit HIV-Koinfektion, Diabetes mellitus und Unterernährung.


Zur Unterstützung stellt die WHO verschiedene Ressourcen bereit: Der Global TB Report 2025 liefert umfassende epidemiologische Daten, die WHO Academy bietet spezialisierte Kurse für medizinisches Personal, und am 18. März findet eine Online-Talkshow statt. Die Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren, therapeutischer Optionen und die Bekämpfung multiresistenter Tuberkulose bleiben wissenschaftliche Prioritäten.

 

>> Mehr Informationen zum Report 2025, zu den Kursen und zur Online-Talkshow

 

11.03.2026

Leitlinien zur präoperativen Dekolonisierung und Prophylaxe bei multiresistenten Gram-positiven Erregern

Die Europäische Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ESCMID) hat Leitlinien zur präoperativen Dekolonisierung und gezielten Antibiotikaprophylaxe bei erwachsenen Patienten mit multiresistenten Gram-positiven Bakterien (MDR-GPB) vor Operationen veröffentlicht. Die Empfehlungen basieren auf einer systematischen Literaturübersicht und wurden nach dem GRADE-System bewertet.


Für MRSA-Träger ergaben sich folgende Hauptempfehlungen:

 

  • Ein Screening auf S. aureus vor elektiven Herz- und orthopädischen Operationen wird als gute klinische Praxis empfohlen (unbewertet).
  • Eine Dekolonisierung mit Mupirocin ± Chlorhexidin wird vor Herz- und orthopädischen Operationen stark empfohlen (moderate Evidenz), für andere Operationen bedingt empfohlen (niedrige Evidenz).
  • Eine gezielte perioperative Prophylaxe wird vor Herz-, orthopädischen und neurochirurgischen Eingriffen bedingt empfohlen (niedrige Evidenz).
  • Kombinierte Interventionen (Dekolonisierung plus gezielte Prophylaxe) werden vor Herz- und orthopädischen Operationen bedingt empfohlen (sehr niedrige Evidenz).


Für VRE, Methicillin-resistente koagulase-negative Staphylokokken und pan-resistente Gram-positive Bakterien konnten aufgrund unzureichender Evidenz keine Empfehlungen gegeben werden.

Intervention Art der OP Empfehlungsstärke Evidenzgrad
Screening auf S. aureus Herz-/orthopädische OP Gute klinische Praxis unbewertet
Dekolonisierung mit Mupirocin ± Chlorhexidin Herz-/orthopädische OP Stark moderat
Dekolonisierung mit Mupirocin ± Chlorhexidin andere OPs Bedingt niedrig
Gezielte Prophylaxe Herz-/orthopädische/Neuro-OP Bedingt niedrig
Kombinierte Interventionen Herz-/orthopädische OP Bedingt sehr niedrig

Die Autoren betonen, dass die Umsetzung der Empfehlungen an die lokale Epidemiologie und verfügbare Ressourcen angepasst werden sollte. Wichtige Forschungslücken bestehen insbesondere bei:

 

  • Entwicklung von Mupirocin-Resistenzen
  • Alternativen Dekolonisierungsstrategien
  • Optimaler Teicoplanin-Dosierung
  • Interventionen zur VRE-Prävention bei Hochrisikopatienten


Die Leitlinien unterstreichen die Bedeutung eines multidisziplinären Ansatzes zur Infektionsprävention, der neben spezifischen Interventionen bei MDR-GPB-Trägern auch allgemeine Maßnahmen wie Personalschulung, optimale OP-Techniken und Antibiotic Stewardship umfasst.


Folgerung der Autoren

 

Die Reduktion postoperativer Infektionen erfordert einen umfassenden Ansatz mit Schulung aller Beteiligten, bewährten chirurgischen Praktiken und einem sorgfältigen Antibiotikamanagement. Die Empfehlungen müssen im Kontext lokaler Gegebenheiten und unter Berücksichtigung möglicher Resistenzentwicklungen umgesetzt werden.

 

11.02.2026

ESCMID/EUCIC-Leitlinien zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe bei MDR-GNB-kolonisierten Patienten

Die Europäische Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ESCMID) und das Europäische Komitee für Infektionsprävention und -kontrolle haben Leitlinien zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe (PAP) bei Patienten veröffentlicht, die vor einer Operation mit multiresistenten Gram-negativen Bakterien (MDR-GNB) kolonisiert sind. Die evidenzbasierten Empfehlungen basieren auf einer systematischen Überprüfung von Studien von Januar 2010 bis April 2022.

 

Die Leitlinien adressieren das Screening auf MDR-GNB vor Operationen, die Anpassung der PAP bei kolonisierten Patienten und die optimale Dauer der PAP. Die Qualität der Evidenz und die Stärke der Empfehlungen wurden nach dem GRADE-Ansatz bewertet.


Wichtige Empfehlungen:

PAP-Empfehlung MDR-GNB Screening-Empfehlung PAP-Empfehlung
ESCR-E Rektales Screening vor kolorektalen OPs und Lebertransplantationen (bedingt, niedrige Evidenz) Gezielte PAP empfohlen (bedingt, niedrige bis sehr niedrige Evidenz)
CRE Rektales Screening vor Lebertransplantationen (bedingt, niedrige Evidenz) Keine Empfehlung aufgrund unzureichender Evidenz
CRAB Rektales Screening vor Lebertransplantationen (bedingt, niedrige Evidenz) Keine Empfehlung aufgrund unzureichender Evidenz
FQR-E Rektales Screening vor TRUSPB (bedingt, moderate Evidenz) Gezielte PAP empfohlen (bedingt, moderate Evidenz)

Allgemeine Empfehlungen:

 

  • Screening innerhalb von 3 Wochen vor der Operation (Good Practice)
  • PAP-Beendigung innerhalb von 24 Stunden nach OP (stark, moderate Evidenz)
  • Bei Transplantationen (außer Niere) PAP-Verlängerung auf 48-72 Stunden möglich (Good Practice)


Die Leitlinien betonen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung zwischen Unter- und Überdiagnose von MDR-GNB-Kolonisationen. Die Implementierung von Screening-Verfahren sollte die lokale Epidemiologie, mikrobiologische Kapazitäten und verfügbare Ressourcen berücksichtigen.


Folgerung der Autoren


Erhebliche Wissenslücken wurden identifiziert. Gut durchgeführte randomisierte kontrollierte Studien sind dringend erforderlich, insbesondere für CRE- und CRAB-Träger bei Hochrisiko-Operationen. Zukünftige Studien sollten die Wirksamkeit gezielter PAP und die postoperative MDR-GNB-Kolonisation untersuchen. Ein umfassender Ansatz zur Reduzierung von Wundinfektionen, der sowohl Antibiotika-basierte Interventionen als auch bewährte chirurgische Praktiken einschließt, wird empfohlen.

 

11.02.2026

Kommentar der Herausgeber zu beiden Beiträgen


Diese Leitlinien wurden lange erwartet. Die zunehmende Resistenzentwicklung und die wachsende Zahl von Patienten mit multiresistenten Erregern machen deutlich, dass pauschale perioperative Antibiotikastrategien an ihre Grenzen gestoßen sind. Die neuen Empfehlungen der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) schließen hier eine wichtige Lücke, indem sie das Problem gezielt aus der Perspektive multiresistenter Erreger adressieren.

Auch in Deutschland zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Die aktuelle S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften empfiehlt zunehmend eine individualisierte perioperative Antibiotikaprophylaxe. Die ESCMID-Leitlinien gehen jedoch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie differenziert nach MDR-GNB- und MDR-GPB-Kolonisationen, Operationsart und Evidenzlage vorgehen und damit die klinische Realität in Hochrisikokollektiven besser abbilden.

Gleichzeitig legen die Leitlinien schonungslos die bestehenden Defizite offen. Insbesondere fehlt weiterhin ein tragfähiges Konzept zur Sanierung der intestinalen Kolonisation mit VRE und multiresistenten gramnegativen Erregern. Für diese Patienten bleibt die perioperative Strategie ein Balanceakt zwischen Infektionsprävention und Vermeidung weiterer Resistenzselektion.
Unser Fazit: Die ESCMID-Leitlinien setzen einen überfälligen, wichtigen Akzent. Sie stärken die individualisierte Entscheidungsfindung, ohne falsche Sicherheit zu suggerieren – und unterstreichen zugleich den dringenden Bedarf an gezielter klinischer Forschung, gerade dort, wo wir bislang keine wirksamen Sanierungsstrategien haben.

 

11.02.2026

INFEKTIO_Podcast | Neues aus den Leitlinien – Globale Leitlinie zu Diagnose und Management der Candidiasis

Der Podcast consilium infectiorum bietet medizinischem Fachpersonal praxisrelevante Themen der klinischen Infektiologie und unterstützt dabei, evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Patienten auszuwählen.
In jeder Folge diskutiert Infektiologe Prof. Mathias Pletz aus Jena mit einem Expertengast einen klinischen Schwerpunkt – fundiert und dennoch in entspannter Gesprächsatmosphäre.

 

Besonders praktisch: Für jede Folge können Sie bis zu einem Jahr nach Veröffentlichung CME-Punkte sammeln, indem Sie die zugehörigen CME-Fragen beantworten.


In der aktuelle Folge ist Prof. Oliver Cornely aus Köln zu Gast. Gemeinsam widmen sie sich der globalen Leitlinie zur Diagnose und Management der Candidiasis.

 

>> Zur Podcast-Folge

 

11.02.2026

GeoSentinel-Analyse der Antibiotikaresistenzmuster bei Reisedurchfall

Reisedurchfall ist eine häufige Erkrankung bei internationalen Reisenden, die je nach Reiseziel, Dauer und Jahreszeit 20 % bis 88 % der Reisenden betrifft. In einer aktuellen Querschnittsstudie des GeoSentinel-Netzwerks wurden die Antibiotikaresistenzmuster von vier häufigen Durchfallerregern bei 859 internationalen Reisenden mit akutem Durchfall untersucht, die zwischen April 2015 und Dezember 2022 an 58 Standorten erfasst wurden. Das mediane Alter der Patienten betrug 30 Jahre, 51 % waren männlich. Die häufigsten Reiseregionen waren Subsahara-Afrika (25 %), Südostasien (24 %) und Südamerika (17 %).


Die Analyse der Resistenzmuster zeigte folgende Ergebnisse:

 

  • Campylobacter-Isolate
    • Hohe Fluorchinolonen-Resistenz: 75 % 
    • Höchste Resistenzraten bei Reisenden nach Südzentralasien (88 %) und Südostasien (80 %)
    • Makrolid-Resistenz: 12 % 
    •  Höchste Makrolid-Resistenzraten in Südzentralasien (24 %) und Südostasien (11 %)

 

  • Non-Typhus Salmonellen (NTS)-Isolate
    • Fluorchinolonen-Resistenz: 32 %
    • Höchste Fluorchinolon-Resistenzraten in der Karibik (62 %) und Südzentralasien (45 %)
    • Makroliden-Resistenz: 16 %
    • Resistenz gegen Cephalosporine der dritten Generation: 5 %
       
  • Shigella-Isolate
    • Fluorchinolonen-Resistenz: 22 %
    • Auffällig hohe Fluorchinolon-Resistenz von 79 % bei Fällen aus Südzentralasien
    • Makroliden-Resistenz: 35 %
    • Resistenz gegenüber Cephalosporinen der dritten Generation: 8 %
    • Hohe Makrolid-Resistenz von 78 % bei Fällen aus Südamerika
       
  • Diarrhöische E. coli-Stämme
    • Fluorchinolon-Resistenz: 18 %
    • Resistenz gegenüber Cephalosporinen der dritten Generation: 13 %
    • Die meisten E. coli-Isolate stammten von einem einzelnen Standort in Peru


Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede in den Resistenzmustern. Aufgrund der hohen Fluorchinolon-Resistenz bei Campylobacter und Shigella in Süd- und Südostasien erscheint die Empfehlung von Makroliden als First-Line-Therapie für diese Regionen gerechtfertigt. In Südamerika, wo eine hohe Makrolid-Resistenz bei Shigella auftrat, kann eine breitere antibiotische Abdeckung erforderlich sein. In Subsahara-Afrika, wo Campylobacter-Infektionen häufig waren, sind Makrolide aufgrund der 60%igen Fluorchinolon-Resistenz ebenfalls zu bevorzugen.

 

Folgerung der Autoren

 

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung der Antibiotikaresistenz bei Durchfallerregern durch kulturelle Anzucht und Resistenztestung. Dies ist besonders wichtig angesichts der zunehmenden Verwendung kulturunabhängiger Diagnostikmethoden, die keine Resistenzdaten liefern. Eine sorgfältige Antibiotika-Stewardship und eine gezielte empirische Therapie basierend auf regionalen Resistenzmustern sind entscheidend, um die Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen.

 

Kommentar der Herausgeber

 

Die Daten belegen, dass bei Reiserückkehrern aus entsprechenden Risikoregionen (insbesondere Südostasien aber teils auch Lateinamerika) bei Diarrhö oftmals resistente Erreger zugrunde liegen können und eine antibiotische Therapie schwierig ist. Wichtig: In der Regel sind Antibiotika bei Reisediarrhö nicht erforderlich – meist reicht eine orale Rehydrierung aus. Eine Reisediarrhö sollte nur behandelt werden, wenn sie schwer ist, bei blutigen Stühlen, Anzeichen einer systemischen Infektion (Fieber) oder bei immunsupprimierten Patienten. 

 

Amatya, B. et al. GeoSentinel Analysis of Traverls‘ Diarrhea Antimicrobial Restistance Patterns. JAMA Netw Open. 2025; 8(12):e2551089. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.51089

 

14.01.2026

Der „One Health“-Zoonose-Bericht 2024 der Europäischen Union

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ihren jährlichen „One Health“-Zoonose-Bericht 2024 veröffentlicht. Er fasst die Ergebnisse der Überwachungsaktivitäten zu Zoonosen und zoonotischen Erregern bei Menschen, Tieren, Lebensmitteln und Futtermitteln zusammen, die in den EU-Mitgliedstaaten, dem Vereinigten Königreich (Nordirland) sowie weiteren Ländern erhoben wurden.

Der Bericht beschreibt mehrere zentrale Zoonosen, die in der folgenden Tabelle in abnehmender Häufigkeit dargestellt sind und sich hinsichtlich Krankheitslast und klinischer Bedeutung deutlich unterscheiden.

Zoonose Bestätigte Fälle Melderate pro 100.000 Einwohner Besonderheiten
Campylobacteriose

 

168.396 55,3 Häufigste gemeldete Zoonose; Hauptquelle Geflügelfleisch
Salmonellose 79.703 18,6 Zweithäufigste Zoonose; häufige Ursache lebensmittelbedingter Ausbrüche, v. a. Eier
Shiga-Toxin-produzierende Escherichia coli (STEC)-Infektionen 11.738 3,5 Relevante Ursache schwerer gastrointestinaler Erkrankungen
Listeriose Schwerwiegendste Zoonose mit höchstem Anteil an Krankenhausaufenthalten (97,3 %) und 301 Todesfällen 3.041 0,69 Schwerwiegendste Zoonose; höchste Hospitalisierungs- (97,3 %) und Sterblichkeitsrate (15,6 %)

Für alle vier Zoonosen wurde in den vergangenen fünf Jahren ein signifikanter Anstieg der gemeldeten Fallzahlen beobachtet.

 

Auch die Zahl lebensmittelbedingter Ausbrüche nahm 2024 weiter zu: Im Jahr 2024 wurden insgesamt 6.558 Ausbrüche gemeldet, die zu 62.481 Krankheitsfällen, 3.336 Krankenhausaufenthalten und 53 Todesfällen führten. Salmonella war der am häufigsten identifizierte Erreger bei Ausbrüchen mit bekanntem Verursacher (1.238 Ausbrüche) und verursachte die meisten Krankenhauseinweisungen (1.823) sowie zusammen mit Listeria monocytogenes die meisten Todesfälle (jeweils 17). Noroviren und andere Caliciviren waren für die höchste Zahl an Krankheitsfällen verantwortlich (14.297). Die Kombination von Salmonella in „Eiern und Eiprodukten“ wurde als besonders problematisch identifiziert und verursachte die meisten Ausbrüche mit starker Evidenz (83 Ausbrüche).

 

Im Bereich der Tiergesundheit erfüllten 14 Mitgliedstaaten sowie das Vereinigte Königreich die Zielvorgaben zur Reduzierung der Salmonella-Prävalenz in Geflügelpopulationen. Mehrere Staaten verfehlten jedoch weiterhin die Vorgaben in einzelnen Geflügelkategorien. Auffällig waren zudem deutliche Unterschiede zwischen amtlichen Kontrollen und Eigenkontrollen der Lebensmittelunternehmer: Behördlich entnommene Proben wiesen bei Campylobacter und Salmonella deutlich höhere Überschreitungs- bzw. Prävalenzraten auf als Eigenkontrollen.

 

Der Bericht enthält zudem aktuelle Daten zu Brucellose, Echinokokkose, Trichinellose, Tuberkulose durch Mycobacterium bovis und Tollwut sowie zu anderen zoonotischen Bakterien, Viren und Parasiten in Lebensmitteln und bei Tieren.

 

>> Hier geht es zum gesamten Bericht

 

14.01.2026

INFEKTIO_Podcast | Ersatzteilprobleme – Fremdkörperassoziierten Infektionen

Der Podcast consilium infectiorum bietet medizinischem Fachpersonal praxisrelevante Themen der klinischen Infektiologie und unterstützt dabei, evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Patienten auszuwählen.
In jeder Folge diskutiert Infektiologe Prof. Mathias Pletz aus Jena mit einem Expertengast einen klinischen Schwerpunkt – fundiert und dennoch in entspannter Gesprächsatmosphäre.

 

Besonders praktisch: Für jede Folge können Sie bis zu einem Jahr nach Veröffentlichung CME-Punkte sammeln, indem Sie die zugehörigen CME-Fragen beantworten.


In der aktuelle Folge ist Prof. Andrej Trampuz aus Brisbane (Australien) zu Gast. Gemeinsam widmen sie sich dem Thema fremdkörperassoziierte Infektionen.

 

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14.01.2026

β-Lactam-Allergie-Label und ihre klinischen Auswirkungen

β-Lactam-Antibiotika gehören zu den am häufigsten eingesetzten Antibiotikaklassen, allerdings werden bei 10–15 % der erwachsenen Bevölkerung weltweit β-Lactam-Allergie-Label (BAL) dokumentiert. Diese Label sind jedoch überwiegend nicht verifiziert – bei mehr als 95 % handelt es sich nicht um echte IgE-vermittelte Allergien mit Anaphylaxie und über 90 % der als allergisch gekennzeichneten Patienten vertragen β-Lactame.

 

Eine aktuelle systematische Übersicht und Meta-Analyse untersuchte die Assoziation zwischen BAL und klinischen Outcomes. Die Analyse basierte auf einer systematischen Literaturrecherche in PubMed, der Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL) und Embase für den Zeitraum Januar 2000 bis November 2024. Eingeschlossen wurden 63 Beobachtungs- und Interventionsstudien, die klinische Outcomes bei Patienten mit und ohne BAL verglichen.

 

Von den eingeschlossenen Studien stammten 60 (95 %) aus Ländern mit hohem Einkommen, 41 (65 %) aus Amerika, 15 (24 %) aus Europa und 7 (11 %) aus der westpazifischen Region. Die Stichprobengrößen variierten zwischen 86 und 36.856.032 Patienten. 52 Studien (82 %) wurden im stationären Setting durchgeführt und 59 (94 %) untersuchten erwachsene Patienten.

 

Die Meta-Analyse zeigte signifikante Assoziationen zwischen BAL und verschiedenen negativen klinischen Outcomes:

 

  • Ein um 60 % erhöhtes Risiko für postoperative Wundinfektionen (Odds Ratio [OR] 1,60; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,27–2,01)
  • Ein um 42 % erhöhtes Risiko für Infektionen oder Kolonisation mit multiresistenten Erregern (OR 1,42; 95-%-KI 1,22–1,64)
  • Ein um 26 % erhöhtes Risiko für Clostridioides-difficile-Infektionen (OR 1,26; 95-%-KI 1,16–1,37)

 

Während kein signifikanter Zusammenhang mit der Gesamtmortalität, der Krankenhaussterblichkeit oder der 30-Tage-Sterblichkeit gefunden wurde, zeigte sich bei der Mortalität nach ≥ 180 Tagen ein um 38 % erhöhtes Risiko (OR 1,38; 95-%-KI 1,04–1,85). Die Krankenhausverweildauer war bei Patienten mit BAL statistisch signifikant länger (standardisierte mittlere Differenz 0,06 Tage; 95-%-KI 0,05–0,08) bei jedoch fraglich klinischer Relevanz.
 
Folgerung der Autoren

 

Die vorliegende Meta-Analyse zeigt, dass BAL mit einer Reihe von negativen Gesundheitsoutcomes assoziiert sind, insbesondere mit postoperativen Wundinfektionen sowie Infektionen oder Kolonisation mit multiresistenten Erregern und C. difficile. Obwohl BAL auch statistisch mit längeren Krankenhausaufenthalten assoziiert waren, war der beobachtete Unterschied minimal. Die Heterogenität und methodischen Limitationen der eingeschlossenen Studien könnten die Generalisierbarkeit und Robustheit einiger Schlussfolgerungen einschränken. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch die Notwendigkeit, Public-Health-Initiativen zur Reduktion inakkurater Allergie-Label zu entwickeln und zu evaluieren, um die unnötige Vermeidung von First-Line-β-Lactam-Antibiotika zu reduzieren.
 
Kommentar der Herausgeber
 
Einmal mehr unterstreicht eine große Studie, wie wichtig es in der klinischen Praxis ist, bei allen Patienten eine vermeintliche Antibiotikaallergie zu überprüfen. Wenngleich die vorliegende Arbeit nur Assoziationen und keine Kausalität etablieren konnte, so sind dennoch die Resultate plausibel und die verschiedenen negativen Auswirkungen erheblich. Hier besteht noch ein enormes Verbesserungspotential.

 

Fu, M. et al. The burden of β-lactam allergy labels in health care: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis. 2025; 25(8):896-908. doi: 10.1016/S1473-3099(25)00019-2

 

17.12.2025

Zulassungsempfehlung für monovalenten Pertussis-Impfstoff

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA gab nach seiner Sitzung am 13. November 2025 eine positive Stellungnahme für die Zulassung von VacPertagen ab, einem neuen Impfstoff zum Schutz vor Pertussis (Keuchhusten) [1].

 

Pertussis ist eine hochkontagiöse bakterielle Atemwegserkrankung, die durch Bordetella pertussis verursacht wird. Es besteht keine lebenslange Immunität; sowohl nach natürlicher Infektion als auch nach Impfung nimmt der Schutz innerhalb weniger Jahre deutlich ab, was zu häufigen Reinfektionen im Erwachsenenalter führt [2,3]. In Deutschland liegt das mittlere Alter der gemeldeten Patienten bei etwa 40 Jahren [4,5]. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung meist mild mit wochenlangem, hartnäckigem Husten, während Säuglinge besonders gefährdet sind und oft einen klassischen Verlauf in drei Stadien zeigen (katarrhalisch, paroxysmal, konvaleszent) [2,6,7]. Die größte Gefahr besteht darin, dass Erwachsene als Hauptreservoir die Infektion auf ungeimpfte Säuglinge übertragen, bei denen schwere Komplikationen und Todesfälle auftreten können [3,7]. Seit März 2013 besteht in Deutschland eine bundesweite Meldepflicht für Pertussis; zuvor war die Meldepflicht auf die östlichen Bundesländer beschränkt [8]. Auch in Österreich ist die Erkrankung meldepflichtig, in der Schweiz hingegen nicht. Im Jahr 2024 wurde dem Robert Koch-Institut die bislang höchste jährliche Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht gemeldet, nach einem pandemiebedingten Rückgang in den Vorjahren [9]. Die Infektionsschutzmaßnahmen während der COVID-19-Pandemie führten zu einem deutlichen Rückgang der Pertussis-Fälle, der nach Aufhebung der Maßnahmen wieder anstieg [9].

 

Zur Prävention werden in Deutschland, Österreich und Schweiz die Impfung von Schwangeren zur passiven Immunisierung des Neugeborenen sowie die Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter, gefolgt von regelmäßigen Auffrischimpfungen im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenalter empfohlen. Die Diagnostik erfolgt bevorzugt mittels PCR [6]. Die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen ist entscheidend, um schwere Verläufe und Todesfälle bei Säuglingen zu verhindern.

 

Der neue Impfstoff VacPertagen soll als Suspension zur Injektion in einer Fertigspritze erhältlich sein und ist vorgesehen für die Auffrischimpfung gegen Pertussis bei Personen ab 12 Jahren und zum passiven Schutz gegen Pertussis im frühen Säuglingsalter nach mütterlicher Immunisierung während der Schwangerschaft [1]. VacPertagen enthält zwei gereinigte Pertussis-Antigene: rekombinantes Pertussis-Toxin (PTgen) und filamentöses Hämagglutinin (FHA). Nach intramuskulärer Applikation induziert VacPertagen eine Verstärkung der PT- und FHA-spezifischen Antikörperreaktionen. Maternale Antikörper werden auf Säuglinge übertragen, wenn eine Impfung im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester erfolgt ist.

VacPertagen wurden in drei klinischen Studien untersucht, die zeigten, dass der Impfstoff 28 Tage nach der Impfung bei Erwachsenen und Jugendlichen die Produktion von Antikörpern auslöste, die bei Erwachsenen bis zu drei Jahre und bei Jugendlichen bis zu fünf Jahre anhielten [1]. Diese Immunantwort wurde auch bei schwangeren Frauen 28 Tage nach der Impfung im zweiten oder dritten Trimester ausgelöst. Die bei der Geburt auf die Säuglinge übertragenen Pertussis-Antikörper blieben bis zu einem Alter von zwei Monaten bestehen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von VacPertagen zählen Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgie, Arthralgie, Unwohlsein und Übelkeit.

 

Folgt die Europäische Kommission der Empfehlung des CHMP und wird VacPertagen in Europa zugelassen, wäre es aktuell der einzige monovalente Pertussis-Impfstoff. Seit der Marktrücknahme früherer monovalenter Impfstoffe in Deutschland vor etwa 20 Jahren stehen für die Immunisierung gegen Pertussis hierzulande, sowie in Österreich und Schweiz, ausschließlich verschiedene Kombinationsimpfstoffe (als 3-, 4-, 5- oder 6-fach-Impfstoffe) zur Verfügung, die gleichzeitig gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ b schützen.

 

1 European Medicines Agency (EMA). VacPertagen - summary of opinion. EMA/CHMP/354843/2025; published online Nov 14, 2025. URL: https://www.ema.europa.eu/en/documents/smop-initial/chmp-summary-positive-opinion-vacpertagen_en.pdf


2 Zepp, F. et al. Rationale for Pertussis Booster Vaccination Throughout Life in Europe. Lancet Infect Dis 2011; 11(7):557-70. doi: 10.1016/S1473-3099(11)70007-X


3 Sheng, Y. et al. Pertussis Resurgence: Epidemiological Trends, Pathogenic Mechanisms and Preventive Strategies. Front Immunol. 2025; 16:1618883. doi: 10.3389/fimmu.2025.1618883


4 Hellenbrand, W. et al. The Epidemiology of Pertussis in Germany: Past and Present. BMC Infect Dis. 2009; 9:22. doi: 10.1186/1471-2334-9-22


5 Hitz, D.A. et al. Seasonal Bordetella Pertussis Pattern in the Period From 2008 to 2018 in Germany. BMC Infect Dis. 2020; 20(1):474. doi: 10.1186/s12879-020-05199-w


6 Kline, J.M. et al. Pertussis: Common Questions and Answers. Am Fam Physician 2021; 104(2):186-192. URL: https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2021/0800/p186.html


7 Kandeil, W. et al. A Systematic Review of the Burden of Pertussis Disease in Infants and the Effectiveness of Maternal Immunization Against Pertussis. Expert Rev Vaccines. 2020; 19(7):621-638. doi: 10.1080/14760584.2020.1791092


8 Schielke, A. et al. Marked Underreporting of Pertussis Requiring Hospitalization in Infants as Estimated by Capture-Recapture Methodology, Germany, 2013-2015. Pediatr Infect Dis J. 2018; 37(2):119-125. doi: 10.1097/INF.0000000000001698


9 Gorringe, A. et al. Global Incidence of Pertussis After the COVID-19 Pandemic. JAMA Netw Open. 2025; 8(12):e2545963. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.45963

 

17.12.2025

Neue Impfempfehlungen für immunsupprimierte Patienten: COVID-19, Influenza und RSV

In diesem Jahr hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eine neue Reihe wöchentlicher Überwachungsberichte gestartet. Diese sollen Gesundheitsbehörden dabei unterstützen, mückenübertragene Krankheiten wie Chikungunya, Dengue, Zika und West-Nil-Virus zeitnah zu überwachen. Durch die Bereitstellung konsistenter, nahezu Echtzeit-epidemiologischer Daten können die Berichte nationale und regionale Kontrollstrategien unterstützen, insbesondere da Europa aufgrund des Klimawandels mit längeren und intensiveren Mückensaisons konfrontiert ist.


Die Hauptvektoren, die in Europa Anlass zur Sorge geben, sind Aedes albopictus, Aedes aegypti und Culex pipiens. Aedes albopictus ist derzeit in 16 Ländern und 369 Regionen etabliert – deutlich mehr als noch vor einem Jahrzehnt. Im vergangenen Jahr wurden in Europa 304 Fälle von lokal erworbenem Dengue-Fieber und 1.436 Fälle von West-Nil-Virus-Infektionen registriert, was die wachsende Ausbreitung dieser Krankheiten unterstreicht.


Um die Vorbereitungsmaßnahmen weiter zu unterstützen, veröffentlicht das ECDC auch neue Leitlinien für das öffentliche Gesundheitswesen zu lokal erworbenen Aedes-übertragenen Krankheiten in Europa. Das Dokument beschreibt praktische Überwachungs-, Präventions- und Kontrollmaßnahmen, basierend auf vier Risikoniveaus.

 

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19.11.2025

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft zur World Antimicrobial Resistance Awareness Week 2025 auf, die vom 18. bis zum 24. November stattfindet. Diese globale Kampagne soll das Bewusstsein für antimikrobielle Resistenzen (AMR) schärfen und zu verantwortungsvollem Umgang mit Antibiotika sensibilisieren. Die WHO stellt dafür Kampagnenmaterialien zur Verfügung und lädt zur Teilnahme an der „Go Blue for AMR“-Initiative ein.

 

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19.11.2025

Update der S3-Leitlinie Sepsis 2025: Neue Empfehlungen für die Praxis

Zulassungsempfehlung für weiteren Antikörper zur RSV-Prophylaxe

Ausbruch von Corynebacterium diphtheriae bei Migranten in Europa

Ein ungewöhnlicher Anstieg von Infektionen mit Corynebacterium diphtheriae wurde ab Sommer 2022 in europäischen Aufnahmezentren für Migranten beobachtet. Ein pan-europäisches Konsortium untersuchte die klinischen, epidemiologischen und mikrobiologischen Merkmale dieses Ausbruchs, der den größten Anstieg von Diphtherie-Fällen in Westeuropa seit 70 Jahren darstellt.

 

In die Analyse wurden 363 toxigene C. diphtheriae-Isolate von 362 Patienten aus 10 europäischen Ländern einbezogen, die zwischen Januar und November 2022 gemeldet wurden. Die meisten Fälle traten in Deutschland (118), Österreich (66), Großbritannien (59), der Schweiz (52) und Frankreich (30) auf. Das mediane Alter der Patienten betrug 18 Jahre, wobei 176 Patienten (48,6 %) zwischen 16 und 20 Jahre alt waren. Die große Mehrheit der Betroffenen (98,1 %) war männlich. Bei 348 Patienten (96,1 %) lag eine kürzliche Migrationsgeschichte vor oder sie hatten engen Kontakt zu Migrantenpopulationen. 174 Patienten (48,1 %) waren in Migrantenzentren untergebracht.

 

Klinische Daten lagen für 346 Patienten (95,6 %) vor: 268 Patienten (77,5 %) wiesen eine kutane Diphtherie auf, 53 (15,3 %) eine respiratorische Form (11 davon mit Pseudomembran) und 9 (2,6 %) zeigten sowohl respiratorische als auch kutane Symptome. Ein Patient mit Pseudomembran verstarb. Bei drei Patienten wurde eine genitale Beteiligung festgestellt. Der Impfstatus konnte aufgrund unvollständiger medizinischer Dokumentation häufig nicht zuverlässig ermittelt werden. Nur bei 4 Patienten war eine Impfung dokumentiert, bei 10 Patienten wurde eine fehlende Impfung vermerkt und bei 290 Patienten war der Impfstatus unbekannt.

 

Von 17 hospitalisierten Patienten hatten 5 eine kutane und 12 eine respiratorische Diphtherie (7 mit Pseudomembran). Alle 12 Patienten mit respiratorischer Diphtherie erhielten Diphtherie-Antitoxin zusammen mit Antibiotika. Die Antitoxin-Dosen lagen zwischen 5000 und 100.000 IE, wobei 8 Patienten Dosen über 60.000 IE erhielten. Die Behandlung erfolgte im Durchschnitt 2,8±1,5 Tage nach Symptombeginn, die meisten (9) Patienten wurden innerhalb von 3 Tagen behandelt.

 

Die molekulargenetische Analyse identifizierte vier Hauptcluster, was auf die multiklonale Natur des Ausbruchs hinweist. Das ermX-Gen (kodiert für Erythromycin-Resistenz) sowie die Gene pbp2m und blaOXA-2 (kodieren für β-Lactam-Resistenz) wurden in einer Untergruppe von Isolaten nachgewiesen. Isolate mit ermX waren resistent gegen Erythromycin, während Isolate mit pbp2m resistent gegen Penicillin, aber empfindlich gegenüber Amoxicillin waren.

 

Im Jahr 2023 wurden in den beteiligten Ländern weitere 169 Fälle von C. diphtheriae-Infektionen mit toxigenen Isolaten gemeldet: 112 in Deutschland, 17 in den Niederlanden, 16 in Frankreich, 13 in Großbritannien, 8 in der Schweiz und 3 in Österreich, mit zwei weiteren Todesfällen bei Migranten. Obwohl weniger Fälle als 2022 gemeldet wurden, lag die Gesamtzahl deutlich über den Vorjahren.

 

Folgerung der Autoren

 

Die Verteilung der genetischen C. diphtheriae-Cluster über mehrere europäische Länder zeigt eine wiederholte grenzüberschreitende Ausbreitung. Die hohe Anzahl von C. diphtheriae-Infektionen bei Migranten ist besorgniserregend, insbesondere da Antibiotikaresistenz-Phänotypen die Wirksamkeit von First-Line-Behandlungen gefährden. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit verbesserter Präventionsmaßnahmen, einschließlich gründlicher Impfprotokolle für Migranten und lokale Bevölkerungen, klinische Überwachung von Risikopersonen, schnelle Diagnose bei symptomatischen Personen sowie Screening von Kontaktpersonen.

 

Kommentar der Herausgeber

 

Die Diphtherie ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig und kann potenziell tödlich verlaufen. Bei häufig ungeimpften Migranten mit kutanen oder pharyngealen Symptomen ist es wichtig, an diese wichtige Differentialdiagnose zu denken. Entscheidend ist eine rasche Gabe von Antibiotika und, in toxin-positiven Fällen, aber auch bereits bei klinischem Verdacht auf eine respiratorische Diphtherie, frühzeitig von Antitoxin. Bei kutaner Diphtherie wird eine Antitoxin-Gabe in der Regel nicht empfohlen, außer bei Ulcera von mehr als 2 cm². Ebenso essenziell sind die Implementierung infektpräventiver und postexpositioneller Maßnahmen. Dieser multinationale Ausbruch einer alten, beinahe vergessenen Infektion führt eindrücklich vor Augen, wie wichtig eine gute Durchimpfungsquote ist, gerade angesichts grassierender Falschinformationen hinsichtlich der Sicherheit von Impfungen.

 

Hoefer, A. et al. Corynebacterium diphtheriae Outbreak in Migrant Populations in Europe. N Engl J Med. 2025; 392(23):2334-2345. doi: 10.1056/NEJMoa2311981

 

10.09.2025

Tuberkulose wird in der Regel mit einem 6-monatigen Rifampin-Schema behandelt. Ob eine Strategie mit einer kürzeren Erstbehandlung zu ähnlichen Ergebnissen führen kann, ist unklar.


In der nachfolgenden Studie wurden Teilnehmer mit Rifampin-empfänglicher Lungentuberkulose nach dem Zufallsprinzip entweder einer Standardbehandlung (Rifampin und Isoniazid für 24 Wochen mit Pyrazinamid und Ethambutol für die ersten 8 Wochen) oder einer Strategie zugewiesen, die eine Anfangsbehandlung mit einem 8-Wochen-Schema oder länger bei persistierender klinischer Erkrankung einer verlängerten Behandlung umfasste. Es gab hier vier Strategien mit unterschiedlichen Anfangstherapien; die Nichtunterlegenheit wurde in den beiden Strategien mit vollständiger Rekrutierung analysiert, die Anfangstherapien mit hochdosiertem Rifampin-Linezolid und Bedaquilin-Linezolid (jeweils mit Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol) erhielten. Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus Tod, fortdauernder Behandlung oder aktiver Erkrankung in Woche 96. Die Nichtunterlegenheitsmarge betrug 12 Prozentpunkte.


Es wurden 674 Teilnehmer in der Intention-to-Treat-Population eingeschlossen. Ein Ereignis mit primärem Endpunkt trat bei 7 der 181 Teilnehmer (3,9 %) in der Standardbehandlungsgruppe auf, verglichen mit 21 der 184 Teilnehmer (11,4 %) in der Gruppe mit einem anfänglichen Rifampin-Linezolid-Schema und 11 der 189 Teilnehmer (5,8 %) in der Gruppe mit einem anfänglichen Bedaquilin-Linzolid-Schema. Die mittlere Gesamtbehandlungsdauer betrug 180 Tage in der Standardbehandlungsgruppe, 106 Tage in der Rifampin-Linezolid-Strategiegruppe und 85 Tage in der Bedaquilin-Linezolid-Strategiegruppe. 


Die Inzidenz von unerwünschten Ereignissen des Grades 3 oder 4, von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und von Todesfällen unterschied sich nicht signifikant zwischen der Standardbehandlungsgruppe und den beiden Strategiegruppen mit vollständiger Rekrutierung. Fast alle Rückfälle wurden als Schweregrad 1 oder 2 eingestuft; ein Teilnehmer in der Standardbehandlungsgruppe, fünf in der Rifampin-Linezolid Gruppe und einer in der Bedaquilin-Linezolid Gruppe hatten ein unerwünschtes Ereignis des Schweregrads 3 oder 4, in Form eines Rückfall oder einer erneuten Therapie. 


In einer weiteren Übersichtsarbeit und Meta-Analyse wurden Sicherheitsdaten zu 591 Patienten, die 8 unterschiedliche Therapieregime mit Bedaquilin, Pretomanid und Linezolid (BPaL) erhalten hatten, untersucht. Bei Patienten, die eine Tagesdosis von 1200 mg Linezolid erhalten hatten, erlitten 35 % ein unerwünschtes Ereignis des Grads 3-4 aber nur 22 % von den Patienten mit einer Linezolid-Tagesdosis von 600 mg. Diese niedrigere und besser verträgliche Dosis wurde auch in der oben genannten randomisierten Studie verwendet.

 

Folgerung der Autoren


Die Studie zeigt, dass eine Strategie mit initialer Behandlung mit einem 8-wöchigen Bedaquilin-Linezolid-Regime nicht unterlegen war im Vergleich zur Standardbehandlung und mit einer kürzeren Gesamtbehandlungsdauer verbunden war. Die Sicherheit war vergleichbar in den drei Gruppen. Dies wurde inzwischen in verschiedenen Studien gezeigt und stellt somit eine vielversprechende Alternative zur Standardbehandlung von Tuberkulose dar.

 

Kommentar der Herausgeber


Es ist sehr zu begrüßen, dass immer kürzere Therapieregime für Tuberkulose getestet und für sicher und wirksam befunden werden. Leider haben diese aber auch Probleme mit unerwünschten Ereignissen, insbesondere mit Linezolid. Daher sind Daten zur ähnlichen Wirksamkeit bei besserer Verträglichkeit einer niedrigeren Tagesdosis von 600 mg erfreulich. Gleichzeitig muss jedoch bedacht werden, dass gerade Bedaquilin und Linezolid entscheidende Therapiepfeiler von BPaL darstellen, welches die Therapie der multiresistenten (MDR) Tuberkulose durch erheblich verkürzte Therapiedauer und gute Wirksamkeit revolutioniert hat. Bei zunehmender und breiter Anwendung dieser beiden Medikamente für Tuberkuloseformen, die potente und gut verträgliche Alternativen in Form der bisherigen 6-monatigen Standardtherapie aufweisen, ist ein rascher Verlust durch Resistenzentwicklung für viel dringlichere Anwendungen bei der MDR-TB zu befürchten.

 

Paton, N. I. et al. Treatment Strategy for Rifampin-Susceptible Tuberculosis. N Engl J Med. 2023; 388(10):873-887. doi: 10.1056/NEJMoa2212537

 

Hasan, T. et al. The Safety and Tolerability of Linezolid in Novel Short-Course Regimens Containing Bedaquiline, Pretomanid, and Linezolid to Treat Rifampicin-Resistant Tuberculosis: An Individual Patient Data Meta-analysis. Clin Inf Dis. 2024; 78(3):730-741. doi: 10.1093/cid/ciad653

 

12.03.2025

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